Tangente-Präsident Karl Gassner vor seinem Haus, in dem der Jazzclub und der Jazz seit bald 40 Jahren eine Heimat hat. (Foto: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|14.10.2018

Eine Heimat für den Jazz

ESCHEN - Eschen hat in der internationalen Jazzszene einen Namen. Nicht von ungefähr, denn seit 1979 ist die Tangente Treffpunkt für alle, die sich für gute Jazz- und jazznahe Musik interessieren.

Tangente-Präsident Karl Gassner vor seinem Haus, in dem der Jazzclub und der Jazz seit bald 40 Jahren eine Heimat hat. (Foto: Paul Trummer)

ESCHEN - Eschen hat in der internationalen Jazzszene einen Namen. Nicht von ungefähr, denn seit 1979 ist die Tangente Treffpunkt für alle, die sich für gute Jazz- und jazznahe Musik interessieren.

Wer zum ersten Mal in die Tangente geht, vermutet, sich verirrt zu haben – und das obwohl das Navi einem sicher an die richtige Adresse geführt hat. Der erste Eindruck täuscht nicht, denn seit bald 40 Jahren ist der Verein und sein Vereinslokal im Privathaus des ehemaligen Sekundarlehrers und Allzeit-Tangente-Präsidenten Karl Gassner beheimatet. Während in den ersten 27 Jahren neben dem Jazz auch Ausstellungen mit vor allem regionalen Künstlern eine Heimat gegeben wurden, gehört das Clublokal seit 2006 nur mehr dem Jazz. Der Vorstand, dem auch Marco Sele angehört, organisiert jährlich 15 bis 20 Konzerte verschiedenster Jazz-Stilrichtungen. Mit dem Ausblick auf 40 Jahre Tangente hat sich der «fritig» mit Karl Gassner unterhalten.

«Fritig»: Liechtenstein ist vermutlich vor 40 Jahren nicht eine Hochburg des Jazz gewesen. Wie sind Sie eigentlich zum Jazz gekommen?

Karl Gassner: Der einzige Ort, wo Jazzkonzerte in Liechtenstein angeboten wurden, war in den 1970er-Jahren das TAK in Schaan. Zu der Zeit war ich im Studium an der Uni Zürich und E-Bassist bei der Zürcher Rockjazz-Band Uxorious. Später war ich Bassist bei der Bryan Jeeves Jazzband in Liechtenstein mit Dixieland und New Orleans, dann in den 1980erJahren bei Pauls Big Band in St. Gallen. Ich hatte also von drei Seiten her einen Zugang zum Jazz erhalten: Rockjazz, New Orleans & Dixieland sowie Swing.

Können Sie sich noch an das erste Tangente-Konzert erinnern?

Ja klar, bei der Eröffnung der Tangente am 15. September 1979 spielte die Bryan Jeeves Jazzband das erste Konzert.

Als Sie den Hausbau in Angriff nahmen, war da für Sie von Anfang an klar, dass ein Vereinslokal Platz finden soll?

Dieser Raum war geplant und ich habe die Baukosten auch übernommen. Wir starteten voller Enthusiasmus für das Projekt, mittlerweile hat sich diese Idee Tangente bewährt.

Im nächsten Jahr ist die Tangente 40 Jahre in der regionalen Kulturlandschaft tätig. Hat sie in dieser Zeit auch die regionale Jazzszene beeinflusst?

Ich denke schon, dass ein wichtiger Einfluss seitens der Tangente stattgefunden hat. In 40 Jahren hinterlässt man Spuren. Ein Beispiel: irgendwann hat auch die Musikschule bemerkt, dass man das Fach Jazz anbieten muss. Jazz wurde in Liechtenstein salonfähig, es hat aber sehr lange gedauert.

An die 500 Jazz-Konzerte haben Sie organisiert, da sind viele Stars aufgetreten. An welche erinnern Sie sich noch besonders gerne?

An viele, um nur einige zu nennen wie Harry Pepl und Werner Pirchner, Art Lande, Tom Harrell, Joe Malinga, Wolfgang Muthspiel, Chico Freeman, Luluk Purwanto, John Abercrombie, Antonio Farao, Nik Bärtsch, Asita Amidi, Omar Hakim, Aki Takase, Billy Cobham und viele andere.

Hat man als Veranstalter noch Wunschkonzerte?

Ja sicher, allerdings sind deren Gagen so hoch, dass wir sie kaum bezahlen können. Momentan sind wir in Verhandlung mit dem grossartigen 80-jährigen italienischen Trompeter Enrico Rava.

Dürfen die Jazzfreunde im Jubiläumsjahr 2019 etwas Besonderes erwarten?

Da ist sicher unsere vierte Chronik zu erwähnen. Alle zehn Jahre gibt die Tangente eine Chronik heraus, in welcher alle Veranstaltungen der vergangenen 10 Jahre aufgelistet sind. Zu jeder wird auch eine Rezension einer liechtensteinischen Tageszeitung veröffentlicht. Wenn wir heute in unseren letzten drei Chroniken blättern, erleben wir die damalige Zeit erneut und freuen uns auf das Geleistete. Nun also steht die vierte Chronik und somit das 4. Dezennium an, mit sehr viel Arbeit verbunden. Es gibt auch einige grossartige Konzerte: da wäre als erstes Highlight die 1. Liechtensteiner Jazztage zu erwähnen, die das TAK und die Tangente als gleichwertige Partner miteinander organisieren. Geplant ist, an zwei Tagen insgesamt 10 Konzerte zu veranstalten. Die Planungsphase läuft schon und ist vielversprechend. Im November 2019 sind die Jazztage vorgesehen.

Das nächste Konzert in der Tangente findet übrigens morgen Samstag, den 13. Oktober, mit Marc Méans «Taïga», statt. Alles über das Konzertprogramm online auf www.tangente.li

(eg)

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