Jedes Teil der Kollektion hat sie selbst genäht. (Foto: ZVG)
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Liechtenstein|17.10.2018 (Aktualisiert am 17.10.18 11:25)

«Schöne Mode hat für mich nichts mit Trends zu tun»

Lisa Lüdtke vertieft sich in der HTL in Dornbirn im Bereich Mode und Produktionstechniken, für ihr obligatorisches Praktikum hat sie ihre eigene Kollektion in Amerika kreiert. Im «Volksblatt» erzählt sie von ihren ersten Schritten in der Modebranche.

Jedes Teil der Kollektion hat sie selbst genäht. (Foto: ZVG)

Lisa Lüdtke vertieft sich in der HTL in Dornbirn im Bereich Mode und Produktionstechniken, für ihr obligatorisches Praktikum hat sie ihre eigene Kollektion in Amerika kreiert. Im «Volksblatt» erzählt sie von ihren ersten Schritten in der Modebranche.

«Volksblatt»: Frau Lüdtke, wie kam es dazu, dass Sie als deutsche Studentin mit Wohnsitz in Liechtenstein in Amerika eine Modekollektion veröffentlicht haben?

Lisa Lüdtke: Ich bin in Deutschland nahe Dortmund geboren, bin aber im Alter von vier Jahren nach Liechtenstein gezogen, weil mein Vater hier eine Firma übernommen hat. Ich lebe jetzt seit 15 Jahren in Liechtenstein und habe die Realschule besucht. Dann war die Frage, was mache ich jetzt? Weil ich die Realschule besucht habe, wäre eine Lehre ja der logische nächste Schritt gewesen. Ich habe dann aber, weil ich mich mit den weiterführenden Schulen nicht befasst habe, zuerst mal beschlossen, ein Auslandsjahr in Amerika zu machen. Mein Auslandsjahr habe ich dann im Norden Amerikas in Wisconsin, Stevens Point, absolviert. Ich bin da sogar regulär in die «High School» gegangen und habe das volle Programm absolviert – wie im Film: Mit Football-Spielen und allem Drum und Dran, fast so wie bei «High School Musical» einfach ohne Musik. Jetzt hatte ich aber wieder ein Problem: Ich war in Amerika und konnte mich ja von dort aus nicht irgendwo für eine Lehrstelle vorstellen. Also habe ich weiter recherchiert, mir auch weiterführende Schulen angesehen und mich dann für die HTL (Höhere Technische Lehranstalt) in Dornbirn beworben. So nahm das Ganze dann seinen Lauf. In der Schule habe ich den Fokus auf Mode gesetzt und mache zusätzlich meine Matura. Wir sammeln an der HTL auch schon Studiumscredits, würde ich jetzt also Modedesign studieren, würden mir bestimmte Teile davon angerechnet werden. Da ich in meiner Ausbildung ein vierwöchiges Praktikum absolvieren muss, habe ich mir, als ich im Winter über Weihnachten in Wisconsin war, überlegt, ob ich das Praktikum nicht mit Amerika verbinden könnte. Durch meine Gastfamilie, lernte ich eine Ladenbesitzerin einer kleinen Boutique in Wisconsin kennen, die mir gleich vorschlug: «Wie wäre es, wenn du deine eigene Kollektion erstellst?» und ich dann so: «ähh ja, okay ja!»

«Wenn du selbst etwas trägst, das gut aussieht und du damit nicht im Trend liegst, hast du für mich gewon­nen.» (Foto: ZVG)

Wann haben Sie realisiert, dass Sie gerne einer Karriere als Modedesignerin nachgehen möchten?

Ich bin da ein bisschen reingerutscht, denn ja, ich mag Mode und ich gehe gerne shoppen, so wie viele andere auch. Ich habe mich nicht mit dem Ziel, Modedesignerin zu werden, an der HTL beworben. Die Kombination der Fächer wie Modezeichnen, Textiltechnolgie, Photoshop und Illustrator empfand ich einfach als die beste Kombination für mich. An der HTL hatte ich die Wahl zwischen Chemie, Mathematik und Mode und da hat Mode einfach am besten zu mir gepasst. So richtig auf den Geschmack bin ich erst in Amerika gekommen. Weil ich einfach mal machen konnte. In der Schule haben wir ja immer Vorgaben, da die Lehrer bestimmte Punkte bewerten müssen. Da kannst du schon kreativ sein, aber trotzdem gibt es Grenzen. In Amerika habe ich meine Schnitte selbst gemacht, den Stoff selber ausgewählt und das hat mir sehr gefallen. Es war schon sehr viel Arbeit, aber am Ende war es einfach schön, dass ich es von Anfang bis Ende selber entworfen habe.

Ihr erstes Praktikum haben Sie bei Bria Bella & Co. absolviert. Was hat Sie bei dieser Erfahrung am meisten geprägt?

Das selbstständige Arbeiten und auch einfach mal Dinge zu versuchen. Es ist ja eigentlich schwieriger ohne Vorgaben, aber ich habe auch schon erlebt, dass ich in der Schule eine gute Idee hatte und sie wurde dann schnell verworfen, weil sie gemäss der Lehrperson nicht machbar sei. Mir wäre lieber, man würde sagen: «Ich glaube, es funktioniert nicht, aber probier es einfach mal.» Ich habe auch Teile ohne einen Schnitt entworfen, das wäre in der Schule undenkbar. Eines dieser Teile ist dann schlussendlich in der Kollektion gelandet und das war gut für mein Selbstbewusstsein.

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Die «Braggy Swag»-Jacke ist ihr Liebling­steil aus der Kollektion. (Fotos: ZVG)

Was machen Sie als Designerin am liebsten?

Das klingt jetzt komisch, aber das Kleidungsstück am Ende zu bügeln, ist mein Lieblingsteil. Du hebst es hoch und denkst dir einfach: «Hach». Am Anfang die Idee zu haben, ist schon toll. Du bist voller Energie und denkst dir okay, das könnte echt cool werden. Dann stösst du auf Tausende Fehler und es geht etwas abwärts, dann bist du aber so weit, dass das Stück Form annimmt. Wenn du es dann bügelst und die Falten verschwinden, macht es einen riesen Unterschied. Denn dann erst siehst du, dass es echt cool geworden ist. Was auch toll war, dass ich dadurch, dass ich meine Kleider selbst verkauft habe, die Teile dann direkt an den Kunden sehen konnte.

Was ist Ihr Lieblingsstück aus der Kollektion?

Ich glaube, meine «Braggy Swag»-Jacke ist mein Lieblingsteil. Sie hat den einfachsten Schnitt, den ich je gemacht habe. Aber der Stoff ist so besonders, da dachte ich mir, auch die Jacke braucht keinen speziellen Schnitt. Sie ist sehr edel verarbeitet und ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat.

Wie war es, Ihre Kollektion auf dem Laufsteg zu sehen?

Ich habe am Anfang ein bisschen ignoriert, dass das ja alles wegen mir stattfindet, und es war irgendwie einfach lustig. Vor der Modenschau waren die Models zur Anprobe im Laden und da war es noch nicht wirklich real für mich. Da ich so ins kalte Wasser geworfen wurde und mir gesagt habe, «jetzt entspann dich einfach mal», war es für mich sehr surreal. Fast so, als wäre ich einfach nur ein Zuschauer in meiner eigenen Show. Ich habe die ganze Zeit nur gestrahlt. Erst als die Models am Schluss noch mal rauskamen und alle klatschten, wurde es etwas greifbarer für mich.

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(Fotos: ZVG)

Lassen Sie sich von aktuellen Trends inspirieren und wie bleiben Sie auf dem Laufenden?

Gar nicht. Also ich schaue sie mir schon an und befasse mich mit den aktuellen Farbtrends. Ich muss aber ehrlich gesagt zugeben, dass ich mich mit den aktuellen Trends nicht identifizieren kann. Als ich in New York shoppen war, fand ich in jedem Laden Avocado-Prints und High Wais­ted Jeans. Das entspricht mir so gar nicht. Logischerweise bleibst du auf dem neusten Stand, aber schöne Mode hat für mich nichts mit Trends zu tun. Wenn du selbst etwas trägst, das gut aussieht, und du damit nicht im Trend liegst, hast du für mich gewonnen. Die anderen sind für mich eher Mitläufer.

Welche Designer haben Sie bei Ihrer Arbeit inspiriert?

Ich persönlich mag den Stil von Marc Jacobs. Seine Mischung aus knalligen Stücken, die aber immer noch tragbar sind, gefallen mir sehr. Ich möchte mich hier aber nicht auf ihn festnageln, er könnte morgen auch eine Kollektion veröffentlichen, die mir gar nicht gefällt.

Welche Fähigkeiten machen für dich einen erfolgreichen Designer aus?

Jemand, der eben nicht dem Trend folgt und trotzdem was Cooles macht. Wenn man sich die Designer ansieht, dann sind sie vielleicht annähernd im Trend, aber da hat auch keiner eine Avocado auf dem Shirt. Das ist dann eher H&M und Zara, die so etwas in Massen produzieren. Ich sag es mal so: Um ein echt tolles Stück zu fertigen, achtet man weniger auf Trends.

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(Fotos: ZVG)

Wie sollen sich die Frauen fühlen, wenn Sie Ihre Kleidung tragen?

Wenn ich da so an mich denke, wie ich mich fühlen will, dann will ich in den Spiegel sehen und denken: «Ha! Heute habe ich einen guten Tag.» Genau diesen Schub fürs Ego soll man beim Tragen meiner Teile bekommen. Natürlich soll sie sich darin wohlfühlen, aber das ist ja auch das Mindeste. Wenn es irgendwie piekst oder nicht richtig sitzt, wäre es so oder so schlecht.

Wird die Kollektion auch bei uns erhältlich sein?

Bisher nicht, «Bria Bella & Co.» hätte weiterhin Interesse und wir haben schon darüber geredet, ob ich wieder Teile nach Amerika schicken soll. Da ich in der Schule bin und dort schon viel nähen muss, steht das aktuell noch in den Sternen. Ich bin jetzt aber auch auf den Geschmack gekommen und fände es cool, vielleicht auch etwas nur online zu verkaufen. Es würde mir etwas Druck nehmen, wenn ich die volle Kontrolle darüber habe. So könnte ich beispielsweise in den Ferien einfach aus Lust nähen und diese Teile ohne grosse Ankündigung in einem Onlineshop anbieten. Aktuell ist es aber noch schwierig abzuschätzen, also mal sehen, was sich entwickelt.

(lk)

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