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Unterwegs
Schweiz|25.10.2018

Wochenendtrip: Bern

BERN - Touristen fahren in der Schweiz Ski – oder nach Zürich. Dabei ist Bern «mega härzig»: schnuckelige Altstadt, Kunst, Kultur, Szene-Bars, Bären und ­Berge.

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BERN - Touristen fahren in der Schweiz Ski – oder nach Zürich. Dabei ist Bern «mega härzig»: schnuckelige Altstadt, Kunst, Kultur, Szene-Bars, Bären und ­Berge.

Bern dürfte die gemütlichste Hauptstadt der Welt sein (auch wenn diese eigentlich offiziell Bundesstadt heisst). Bern fliegt jedenfalls derart tief unter dem touristischen Radar, dass viele gar nicht wissen, dass von hier aus die Schweiz regiert wird. In Bern hat Einstein die Relativitätstheorie entdeckt, Goethe fand die Stadt wundervoll und hier wurde Toblerone erfunden.

Brunnen, Bären, ­Kinderfresser

Umarmt von der Aare, liegt Berns Altstadt auf einer Art Insel. Die mittelalterliche Struktur der Stadt ist noch erhalten – Kopfstein­pflaster, helle Sandsteingebäude, mit kunstvollen ­Figuren geschmückte alte Brunnen, alles heil und in Bestform. Aus Kriegen haben die Schweizer sich ja lieber herausgehalten. Die UNESCO hat den 1a-­Zustand von Berns Historie honoriert und gleich die gesamte Altstadt zum Weltkulturerbe ernannt. Und auch die Stadtgründer haben schon vorausschauend das Wohl von Bürgern und Besuchern im Blick gehabt und die Altstadthäuser mit sogenannten Lauben ausgestattet. Aneinandergereiht, fügen sie sich zu den Berner Arkaden, zu einer der längsten überdachten Einkaufsstrassen der Welt. Ein besonders eindrucksvolles Mahnmal ist der Kindlifresserbrunnen, der etwas gruselig ist, wie sich die Brunnenfigur gerade ein nacktes Kleinkind zwischen die Kiemen schiebt. Besondere Sehenswürdigkeiten sind die Zytglogge, der Zeitglockenturm mit astronomischer Uhr und Glockenspiel, und der Bundesplatz – der zentrale Platz, an dem Regierung und Parlament tagen, aber auch die Schweizerische Nationalbank ihren Hauptsitz hat.

Das Münster ist mit 100 Metern die höchste Kirche der Schweiz. 344 Stufen geht es die Wendeltreppe hoch. Anstrengend, aber es lohnt sich – bei klarer Sicht kann man herrlich über die Stadt und auf die ­Alpen schauen. Das Hauptportal der Kirche zeigt das Jüngste Gericht. Bei dem bedauernswerten Kameraden im blauen Dress, der gerade von einem Dämon angeknabbert wird, soll es sich übrigens um einen Beamten aus Zürich handeln. Der Bärengraben am Ende der Nydeggbrücke heisst nur noch so. 2009 sind die Bären, das Wappentier der Stadt Bern, in ein grösseres Gehege umgezogen. Im neuen Bärenpark leben die Tiere nun auf einem Hang mit Flussblick – was den Besuchern wiederum beste Sicht auf die Tiere verschafft. Jetzt noch in die Matte – früher war das Viertel Armeleute-Quartier und Rotlichtmilieu. Heute ist das Mattenquartier gentrifizierter Lebensraum von Berns Krea­tiven und Hipstern.

Speisen mit Ferien-Feeling und Aussicht

Kleiner Abstecher an die «Riviera» gefällig? Dann auf zum «Schwellenmätteli». Der Komplex direkt an der Aare liegt absolut idyllisch – fast wie auf einer Insel. Terrasse und Casa heissen die beiden Einzelelemente. Auf Ersterer sitzt man luftig-hell auf Holzdielen, ideal für den Sonntagsbrunch. Im Ristorante Casa gibt es italienische Spezialitäten an der langen Tafel – im Winter mit Kaminfeuer.

Das «Lötschberg AOC» kombiniert Tradition und Moderne. Bei den Schweizer Klassikern auf der Speisekarte wie Käsefondue oder Rösti werden jedoch keine Kompromisse gemacht. Und zum Nachtisch Tobleroneschoggiküchlein. Gutbürgerlich geht es im «Alten Tram Depot» zu. Neben der traditionellen und saisonal variierten Speisekarte machen die hauseigene Brauerei und die Lage das Restaurant direkt am Bärenpark zu einem Highlight. Die Giebelstruktur der Halle ist erhalten geblieben – ganz besonders schön ist aber die Terrasse, von der aus man einen weiten Blick über die Stadt hat. Genug von Schnitzel- und Raclette-Aromen? Dann ist das «Fugu Nydegg» eine geschmackliche Alternative. Der schlicht und edel ­designte Asiate bietet einen ­leckeren Querschnitt durch die japanische und thailändische ­Küche. Frisch gerösteten Kaffee mit Blick auf die Zytglogge – das gibt es im «Adriano‘s». Dazu Panini oder Dolce della casa, Mandelgebäck aus eigener Herstellung. In Bern gibt es eine ganze Reihe Bars und Clubs, die an spannenden Orten mit tollem Ambiente überzeugen. Auf jeden Fall gehört die «Turnhalle» dazu. Die Bar liegt tatsächlich in einer alten Turnhalle. Man sitzt vor hohen Fenstern auf dem alten Parkett oder auf ­einer Empore. Bei gutem Wetter lockt zudem ein schöner Hof. «DüDü» nennen die Berner zärtlich das «Du Théatre». Hier feiert man in einem Saal mit Stuckkuppel. Très chic, aber auch très aufgebrezelt. Einen Club «Dampfzentrale» zu nennen: ­nette Idee. Zudem überzeugt hier die Lage: Der angesagte Club ist in ­einem alten Industriekomplex ­direkt am Fluss untergebracht. Hier wird gefeiert, es finden ­jedoch auch Events wie Flohmärkte, ­Musik-, Theater- und Tanzevents statt.

(pb)

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