In Liechtenstein und dem Rheintal geht es den Störchen mittlerweile sehr gut - wie auch an den wachsenden Populationen zu erkennen ist. Gefährlich wird es allerdings, wenn sie in wärmere Gefilde ziehen. (Foto: Michael Zanghellini)
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Region|03.11.2018 (Aktualisiert am 03.11.18 11:47)

Sorge um nach Süden zie­hende Störche aus dem Rheintal

SCHAAN - Rund 200 Jungstörche sind diesen Herbst aus dem Rheintal in wärmere Gefilde gezogen. Da in Malta mehrere Weissstörche abgeschossen wurden, sorgen sich Ornithologen.

In Liechtenstein und dem Rheintal geht es den Störchen mittlerweile sehr gut - wie auch an den wachsenden Populationen zu erkennen ist. Gefährlich wird es allerdings, wenn sie in wärmere Gefilde ziehen. (Foto: Michael Zanghellini)

SCHAAN - Rund 200 Jungstörche sind diesen Herbst aus dem Rheintal in wärmere Gefilde gezogen. Da in Malta mehrere Weissstörche abgeschossen wurden, sorgen sich Ornithologen.

Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen kälter werden, zieht es auch die Vögel in den Süden. Anders als Touristen werden sie aber nicht überall willkommen geheissen. So werden etwa in Malta, obwohl Brüssel mittlerweile den Vogelfang auf der Insel verboten hat, nach wie vor Vögel getötet. Innerhalb weniger Tage wurde im August beispielsweise ein dort rastender Trupp von 18 Weissstörchen, die europaweit geschützt sind, abgeschossen.

Vögel in Malta abgeschossen

Dem Verein Rheintaler Storch bereiten solche Meldungen grosse Sorgen. «Es ist tragisch und brutal, dass kein einziger von dieser Truppe gerettet werden konnte», so Reto Zingg, Geschäftsleiter des Vereins Rheintaler Storch, gegenüber «FM1Today». «Es muss dringend etwas passieren, denn dieses Massaker ist kein Einzelfall.» Schon seit Jahren würden in dem EU-Land geschützte Vögel illegal gefangen oder abgeschossen. Nachdem der Vogelfang auf Malta im Juni endgültig verboten wurde, seien manche Jäger so frustriert, dass sie aus Protest auf europaweit geschützte Vögel wie Störche schiessen würden. «Das ist ein Zustand, den man absolut nicht akzeptieren kann», sagt Zingg zu «FM1Today». Doch auch auf anderen Routen seien die symbolträchtigen Störche gefährdet: So gebe es auch im Libanon ähnliche Fälle, wo aus Spass auf die Tiere geschossen werde.

Teil der Rheintaler Störche könnte über Malta fliegen

Betroffen sein könnten auch Störche aus dem Rheintal, einen Beweis dafür gibt es jedoch nicht, wie Zingg auf «Volksblatt»-Anfrage präzisierte. Aber in diesem Herbst seien mehr als 200 Jungstörche aus dem St.Galler Rheintal, Liechtenstein und Vorarlberg gen Süden geflogen. «Ein Teil der Jungstörche fliegt vermutlich über Malta und macht auf der Insel halt», vermutet Zingg.

Offener Brief an die EU

Ob nun Rheintaler Vögel betroffen sind oder nicht – tatenlos zusehen möchte man im Verein dem Treiben auf Malta allerdings nicht. Damit das Treiben bald ein Ende hat, wandte sich der Verein mit einem offenen Brief an den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Österreich habe derzeit das EU-Präsidium inne und verzeichne ebenfalls wieder eine wachsende Storchenpopulation. «Wir hoffen, dass das Schreiben erhört wird und sich die entsprechenden Behörden einschalten», sagt Zingg. Damit das Töten aufhört, brauche es dringend politischen Druck. «Wir hoffen, dass die Vögel bald überall den Schutz bekommen, den sie dringend brauchen.»

Dank intensiver Bemühungen hat die Storchpopulation in der Region in den vergangenen Jahren wieder ordentlich zugenommen. So zählte der Verein Rheintaler Storch 200 Jungstörche sowie 100 Brutpaare im Rheintal. Gemäss dem aktuellen Bulletin des Liechtensteinischen Ornithologischen Landesverbands (LOV) waren in Liechtenstein 17 Horste (2016: 15) von brütenden Storchpaaren besetzt, mindestens 37 Jungstörche (39) flogen aus. Im August beobachtete der Verband ausserdem grosse Ansammlungen von Störchen - beispielsweise versammelten sich im Saxerriet rund 100 Störche.

(df)

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