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International|13.02.2019 (Aktualisiert am 05.04.19 13:11)

Fyre Festival: Die grösste Party, die nie passiert ist

Ein Luxus-Festival als Marketing-Aktion für eine App. Die Streaminganbieter Netflix und Hulu (nur in Amerika erhältlich) haben kürzlich beide ausführliche Dokumentationen veröffentlicht, welche hinter die Kulissen des kolossal gescheiterten Festivals aus dem Jahr 2017 blicken.

(Bilder: Netflix)

Ein Luxus-Festival als Marketing-Aktion für eine App. Die Streaminganbieter Netflix und Hulu (nur in Amerika erhältlich) haben kürzlich beide ausführliche Dokumentationen veröffentlicht, welche hinter die Kulissen des kolossal gescheiterten Festivals aus dem Jahr 2017 blicken.

Alles startete eigentlich mal mit der Fyre App, die es ihren Nutzern ermöglichen sollte, Talente wie Models und Musiker ganz leicht für private Partys oder Auftritte zu buchen. Eine Marktnische für die gehobene Klasse, die bis dato keine andere Plattform bediente. Der Gründer Billy McFarland hatte zuvor bereits einen Kreditkarten-Club «Magnises» für junge Millenials aus der Oberschicht geschaffen. Um nun seine neuste Idee zu bewerben, wurde kurzerhand die Luxusinsel Normans Cay in den Bahamas gekauft, die ehemalige Privatinsel des Drogenlords Pablo Escobar, um ein Festival in nur sechs Monaten zu lancieren. Das Fyre Festival wurde einen Monat später hauptsächlich auf Social-Media von Persönlichkeiten wie Kendall Jenner, Bella Hadid, Hailey Baldwin, Alessandra Ambrosio, Elsa Hosk und Emily Ratajkowski beworben. Ein Teil dieser und viele weitere bekannte Models wurden vorab auf die Insel geflogen, um das entsprechende Promotionsvideo zu drehen. Schlussendlich war nur einer dieser Social-Media Posts als Werbung gekennzeichnet, weswegen die amerikanische Bundeshandelskomission sich eingeschaltet hat, da Werbung auch als solche gekennzeichnet werden muss. Die diversen Influencer müssen sich nun voraussichtlich einer Sammelklage stellen.

Durch die beachtliche Social-Media Kampagne waren die Tickets im vier- bis fünfstelligen Bereich innerhalb weniger Tage ausverkauft. Wenig verwunderlich, schliesslich war Fyre quasi «Ins­tagram, das zum Leben erwacht», wie der DJ und Produzent Jillionaire in der Netflix-Dokumentation verrät, oder zumindest war das die Idee. Doch genau wie bei Instagram sieht die Realität ohne die ganzen Filter anders aus. Das Festival wurde anschliessend wegen mangelnder Infrastruktur auf die Insel Great Exuma verlegt. Der luxuriöse Privatjet entpuppte sich als alter Flieger, der kurzerhand mit Logos beklebt wurde. Bei den luxuriösen Unterkünften handelte es sich um fehlerhaft aufgestellte Katastrophenhilfezelte inklusive durchnässter Matratzen, weil es am Vorabend regnete. Das Essen oder besser gesagt das Käse-Sandwich wurde gar zum Aushängeschild des gescheiterten Festivals. Der Anlass wurde bereits am ersten Tag vertagt, nur rund 300 Besucher schafften es bis zu diesem Zeitpunkt auf die Insel. Die anderen Besucher warteten auf dem Flughafen auf den Charterflieger, ehe ihnen mittgeteilt wurde, dass das Festival nicht stattfindet. Wie es soweit kommen konnte, wird in der Netflix-Dokumentation schnell klar: Übermut, Grossspurigkeit und Rücksichtslosigkeit. McFarland wurde am 11. Oktober 2018 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt und erhielt eine Strafe in Höhe von 26 Millionen US-Dollar wegen Überweisungsbetrugs. Sein Partner beim Fyre Festival, der US-amerikanische Rapper Ja Rule, scheint noch mal mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.

Es ist bisher unklar, welche Konsequenzen er wirklich daraus gezogen hat. Kurz nach der Veröffentlichung der Dokumentationen äusserte er sich auf Twitter, bei dem er bestreitet, das es sich beim Festival um einen Betrug handelte. Dabei kritiserte er Hulu dafür, dass sie McFarland für ein exklusives Interview sogar bezahlt haben. Auch Netflix hatte Interesse an einem Interview mit McFarland und offerierte ihm, gemäss einem der Produzenten, 12 % des Filmerlöses, welcher aber nicht McFarland selbst, sondern den geschädigten Ticketinhabern des Festivals ausgezahlt werden sollte. Hulu bot ihm keine solche Klausel und so entschloss sich McFarland, den Vertrag mit Netflix zu brechen.

Das Drama um das Fyre Festival wird wohl noch für eine längere Zeit relevant bleiben. Die Dokumentation deckt schliesslich auch noch etwas anderes auf, das wir gerne verdrängen: Was auf den Accounts von Social-Media-Stars gezeigt wird, entspricht selten der Wahrheit, sondern ist oftmals hochbezahlte Werbung. Wenn das Geld stimmt, verkaufen viele Influencer ihren Fans so gut wie alles – selbst wenn es Zweifel gibt, ob sie ihnen damit wirklich einen Gefallen tun.

(lk)

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