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International|28.04.2019

Im schwarzen Loch der Fake News von YouTube

Acht vernetzte Teleskope haben diesen April eine Sensationsaufnahme vollbracht, den ersten direkten visuellen Nachweis eines schwarzen Lochs. Ein Team von Harvard-Wissenschaftlern steckt hinter dem Projekt, im Vordergrund steht aber nur eine: Katie Bouman.

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Acht vernetzte Teleskope haben diesen April eine Sensationsaufnahme vollbracht, den ersten direkten visuellen Nachweis eines schwarzen Lochs. Ein Team von Harvard-Wissenschaftlern steckt hinter dem Projekt, im Vordergrund steht aber nur eine: Katie Bouman.

Es ist ein bemerkenswerter Erfolg für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard Universität, das erste schwarze Loch wurde erfolgreich fotografiert. Ein paar Tage danach richtete sich der Fokus aber nur noch auf ein Teammitglied, das einen grossen Anteil an diesem wissenschaftlichen Meilenstein hat. Die 29-jährige Elektrotechnikerin und Informatikerin Dr. Katie Bouman. Grund dafür war ein Foto, das sie auf ihrem Facebook Account teilte, als sie sichtlich aufgeregt bei der Entwicklung des Fotos zusah. Zugleich wurden die Medien darauf aufmerksam und schnell wurde sie zu der Wissenschaftlerin hinter dem Projekt. Obwohl sie einen wichtigen Teil des Teams bildete, ist sie nicht allein verantwortlich, wie sie auch selbst in einem zweiten Beitrag betont: «Es ist nicht nur ein Algorithmus oder eine Person, die dieses Bild gemacht haben, es hat viel Talent eines Teams von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt benötigt und Jahre von harter Arbeit, um die Instrumente, Datenverarbeitung, Abbildungsverfahren, analytisch­en Techniken, die notwendig waren, um diese unglaubliche Leistung zu erbringen.»

Hasskampagne auf YouTube
Nun ist das eigentliche Problem nicht Dr. Bouman selbst, sondern die Hasskampagne, die daraus resultierte. Gab man kurz darauf ihren Namen auf YouTube ein, fand man als erstes Resultat ein Video mit «Frau macht 6 Prozent der Arbeit, erhält 100 Prozent der Anerkennung» von einem YouTuber mit dem User «Mr. Obvious». Der Grund dafür ist ein altbekanntes Problem, der Algorithmus von YouTube bevorzugt die Anzahl von Interaktionen und nicht die Qualität des Inhalts. Ein reisssicherer Titel mit entsprechendem Inhalt macht auf der Plattform schneller die Runde, so auch in diesem Fall. Das Video verteilte sich auf Social Media und landete so auf dem ersten Platz des Suchverlaufs. Mittlerweile hat Google eingegriffen, das Video ist nicht mehr aufzufinden. Das liegt aber auch unter anderem daran, dass die Forscherin mittlerweile von diversen Newsportalen aufgegriffen wurde. Trotzdem findet man nach wie vor problematische Inhalte, wenn man sich etwas weiter unten in den Suchergebnissen befindet. Die meisten Anschuldigungen sind leicht hinterlegt. Ein Forscherkollege Andrew Chael, der angeblich einen Löwenanteil der Arbeit gemacht haben soll, verteidigt seine Kollegin auf Twitter. Gemäss den Videos soll er 850 000 Zeilen des Codes geschrieben haben, er dementiert, da der gesamte Code nur 68 000 Zeilen umfasst. Grund für den Rechenfehler ist, dass man sich bei der Recherche auf die Statistiken der Code-Plattform Github gestützt hat. Auch die tatsächliche Anzahl von Zeilen ist geringer als diese anderer Kollegen, diese lassen sich aber nicht so leicht auswerten, schliesslich haben die Forscher jeweils auch zusammen programmiert. Ganz generell betont Chael auch, dass er gar nicht wisse, wie viel dieser Zeilen er geschrieben hat, und es interessiere ihn auch herzlich wenig. Zudem bittet er diejenigen, die ihm jetzt gratulieren, nur um ihre sexistische Vendetta gegen seine Kollegin zu betreiben, dass sie ihn in Frieden lassen und ihre Prioritäten im Leben hinterfragen sollten.

(red)

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