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Sandra Bricci ist Leiterin des Tierschutzhauses in Schaan. Sie warnt eindringlich vor schnellen Hundekäufen im Internet. (Foto: Paul Trummer)
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Liechtenstein|17.12.2021 (Aktualisiert am 17.12.21 16:47)

Der Tierschutzverein warnt vor übereilten Hundekäufen

Immer wieder müssen ausländische Hunde beschlagnahmt werden, weil die Tollwutimpfung fehlt. Im Tierschutzhaus in Schaan sind die Quarantäneräume das ganze Jahr belegt. Neben den hohen Kosten bedeutet das auch grosses Tierleid.

Sandra Bricci ist Leiterin des Tierschutzhauses in Schaan. Sie warnt eindringlich vor schnellen Hundekäufen im Internet. (Foto: Paul Trummer)

Immer wieder müssen ausländische Hunde beschlagnahmt werden, weil die Tollwutimpfung fehlt. Im Tierschutzhaus in Schaan sind die Quarantäneräume das ganze Jahr belegt. Neben den hohen Kosten bedeutet das auch grosses Tierleid.

Sie sind klein, süss und vermutlich wären sie innerhalb weniger Tage vermittelt. Doch die beiden Zwergspitze (aus Datenschutzgründen dürfen sie nicht fotografiert werden) müssen vier Monate in einer Quarantänezelle im Tierschutzhaus Liechtenstein ausharren.

Ohne Kontakt zu ihren Besitzern, ohne Artgenossen und ohne Auslauf. «Eine harte Zeit, aber unbedingt notwendig für Tiere, die ohne gültige Tollwutimpfung in die Schweiz oder nach Liechtenstein eingeführt werden», erklärt Sandra Bricci, Leiterin des Tierschutzhauses in Schaan.

Kein Ort, an dem sich Hunde wohlfühlen, die Quarantäneräume sind gefliesst und so steril wie möglich gehalten. Die Einzelhaft ohne Auslauf ist besonders für Welpen eine harte Zeit. Aber auch für M...

Tollwut verhindern

Liechtenstein ist derzeit ein tollwutfreies Land. Das kann sich aber schnell ändern, wenn Tiere aus dem Ausland ohne entsprechende Impfung importiert werden. Sandra Bricci hat schon vieles erlebt: «Zum Teil sind es ganz junge Hunde, die aus den Ferien mitgenommen werden. Manchmal gibt es Unstimmigkeiten – die Tollwutimpfung wurde zu früh verabreicht oder ist nicht gültig. Manchmal stimmt der vorgelegte Heimtierpass nicht mit dem Hund überein, oder der Pass fehlt komplett.»

"Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass sie mit dem Import eine Einschläferung des Tieres riskieren."

Sandra Bricci, Leiterin Tierschutzhaus Schaan

Häufig werden die Hunde beim Übertritt an der Grenze entdeckt und beschlagnahmt, manchmal auch bei Tierarztkontrollen, wenn den Ärzten auffällt, dass die Hunde ohne die entsprechenden Impfungen oder Dokumente vom Ausland importiert wurden. Dann ergeht eine Meldung ans Veterinäramt und die Hunde müssen in Quarantäne. Insbesondere wenn sie aus Risikoländern stammen, die noch nicht als tollwutfrei gelten, wie zum Beispiel Serbien, Kosovo, Ukraine oder Moldau.

«Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass sie mit dem Import eine Einschläferung des Tieres riskieren», sagt Sandra Bricci. Je nach Situation sogar ohne dass eine Krankheit beim Tier nachgewiesen wird. Tollwut kann beim lebenden Tier nicht durch einen Bluttest oder Ähnliches festgestellt werden.

Ist das Risiko einer Erkrankung sehr hoch, werden die Kosten für die Quarantäne nicht übernommen, oder sind die Hunde zu jung oder bereits verhaltensauffällig und eine Isolation nicht zumutbar, wird das Tier eingeschläfert – auch ohne den Nachweis einer Tollwuterkrankung. Ansonsten bleibt nur die Massnahme einer viermonatigen Quarantäne.

(Foto: Paul Trum­mer)

Ein Leben in Einsamkeit

Der Liechtensteiner Tierschutzverein kann als eines der wenigen Tierschutzhäuser in der Region vier Quarantänezimmer für Hunde zur Verfügung stellen. Ein Abkommen mit Ostschweizer Veterinärämtern stellt deshalb sicher, dass auch deren Tiere im Tierschutzhaus in Schaan untergebracht werden können.

Denn die Nachfrage nach Quarantänezimmern nimmt zu, bestätigt auch Sandra Bricci: «Die Zimmer sind mittlerweile das ganze Jahr belegt. » Werden Hunde beschlagnahmt, bleiben sie dennoch im Besitz der Halter. Innerhalb einer Frist können sie sich aber entscheiden, ob sie auf den Hund verzichten oder ihn behalten und damit die hohen Kosten für die Quarantäne übernehmen wollen.

Laut Sandra Bricci werden für die Unterbringung im Tierschutzhaus in Schaan rund 70 Franken pro Tag berechnet. Ein Aufenthalt über mehrere Monate zerstört so schlagartig die Illusion eines günstigen Welpen. Neben den Kosten bedeutet die Quarantäne aber auch grosses Leid für die Tiere. Ein gesonderter Gebäudetrakt trennt die gefliesten, möglichst sterilen Quarantäneräume vom restlichen Tierschutzhaus.

"Wir versuchen unser Möglichstes."

Sandra Bricci

Der Zutritt ist nur einigen Mitarbeitern erlaubt. Sie müssen auf penible Sauberkeit achten, die Räume dürfen nur in Ganzkörperschutzanzügen, mit Überschuhen und Einweghandschuhen betreten werden. Um das Risiko einer Erkrankung auszuschliessen, sind die Mitarbeiter, die Quarantänetiere versorgen, gegen Tollwut geimpft. Denn eine Ansteckung mit der Krankheit wäre auch für die Menschen unheilbar und tödlich.

Ein Kontakt zu den Hunden wird deshalb vermieden, die Tiere leben vier Monate in Einzelhaft. Vor allem für Welpen ist die Einsamkeit fast unerträglich. Das Jaulen und Winseln nach Aufmerksamkeit ist auch von einem der beiden Zwergspitze, die aktuell sichergestellt und in Schaan untergebracht sind, fortwährend zu hören. «Wir versuchen unser Möglichstes, beschäftigen die Hunde mit verschiedenen Futterspielen, aber das reicht natürlich bei Weitem nicht aus», sagt Bricci. Vor allem junge Hunde bräuchten den Kontakt zu Artgenossen und zum Menschen, wenn das Zusammenleben später funktionieren soll. Die Isolation führe oft zu psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten.

(Foto: Paul Trum­mer)

Richtiger Hundekauf

Die Coronapandemie, in der viele im Homeoffice arbeiten, hat den Wunsch nach einem Haustier verstärkt. Sandra Bricci spricht von einer vermehrten Anfrage bei Schweizer Züchtern. Weil diese die Nachfrage nach Welpen aber nicht decken können, werden häufig Hunde im Ausland gekauft.

«Kein Problem, wenn Mikrochip, Heimtierpass und entsprechende Impfungen vorhanden sind», sagt die Leiterin des Tierschutzhauses. Allerdings würden sich die Menschen oft zu wenig erkundigen und sich manchmal auch spontan für einen Hundekauf entscheiden. Sandra Bricci warnt besonders vor einem Kauf im Internet.

"Das sind Vermehrungsstätten und keine seriösen Züchter. Was zählt, ist das schnelle Geld."

Sandra Bricci

Günstige Welpen würden häufig aus Osteuropa stammen, wo die Muttertiere wie am Fliessband neue Welpen austragen müssen. «Das sind Vermehrungsstätten und keine seriösen Züchter. Was zählt, ist das schnelle Geld», sagt Bricci. Die Tiere würden meist viel zu früh von der Mutter genommen und seien häufig auch krank.

Sandra Bricci appelliert deshalb: «Der Kauf eines Tieres sollte gut überlegt sein und unseriöse Tiervermehrer sollten nicht unterstützt werden.» Dürfen die Welpen nicht besucht werden, oder stellt der Verkäufer keine Fragen zur Familiensituation, der Hundeerfahrung oder der verfügbaren Zeit für das Tier, sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen. Der Wunsch, einem süssen Welpen ein schönes Zuhause zu bieten, kann so schnell zerplatzen und das Tier in der Quarantäne enden.

(sb)

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