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Yves Mulume Chikuru stellt aus Früchten, die zu reif für den Verkauf sind, Wein, Likör und Essig her. (Foto: Instagram)
Karriere
Region|29.04.2019

Likör und Wein und eine geniale Geschäftsidee

Ganz am Ende vom Wiener Naschmarkt, wenn man alle Backhändl und Wiener Schnitzel, alle weltbesten Falafel und die Champagnerbars hinter sich gelassen hat, wenn genügend Platz zum  Laufen ist, trifft man Yves Mulume Chikuru.

Yves Mulume Chikuru stellt aus Früchten, die zu reif für den Verkauf sind, Wein, Likör und Essig her. (Foto: Instagram)

Ganz am Ende vom Wiener Naschmarkt, wenn man alle Backhändl und Wiener Schnitzel, alle weltbesten Falafel und die Champagnerbars hinter sich gelassen hat, wenn genügend Platz zum  Laufen ist, trifft man Yves Mulume Chikuru.

Im selben Moment hat man auch schon ein halbes Glas Mangolikör in der Hand. Der schmeckt. Und auf dem Naschmarkt schmeckt er auch schon am Morgen … Zeigt man Interesse an der ungewöhnlichen Geschichte dahinter, bekommt man gleich das zweite Glas. Diesmal ist es voll.

Banane ist leider aus
Yves ist Kongolese. Über seine Heimat sagt er lediglich: «Es ist kompliziert.» Er redet lieber von überreifen Früchten und deren Vergärung. Dass er an diesem Tag nur Mangolikör verkauft – «magst noch einen?» – hat damit zu tun, dass der Bananenwein gerade ausverkauft ist. Der neue ist noch nicht fertig. Ein Bericht im österreichischen «Standard» und ein Beitrag im ZDF sind die Ursache für den plötzlichen permanenten Ausverkauf.

Was steckt dahinter?
Aus seiner Heimat hat Yves das traditionelle Rezept für den Bananenwein mitgebracht. Je reifer, umso süsser, umso mehr Alkohol. Da in Österreich 15 verschiedene Sorten Bananen verkauft werden, hält jede Gärung eine kleine Überraschung bereit. Die Kommentare über den Geschmack reichen von süss bis nicht süss genug, manche vergleichen den Wein mit Sherry, andere schreiben, er schmecke wie eine Beerenauslese. Fakt ist, der Wein schmeckt nicht wie ein aus Trauben gekelterter.

Bananen in Zahlen
Yves hat inzwischen «Lieferanten», die ihn kurz vor Feierabend anrufen. Er bekommt reife Bananen für 50 Cent pro Kilo. Gegessen werden sie in unseren Breiten ja meist unreif, bevor sich die Stärke in Zucker verwandelt hat. Zum Vergleich: Ein Bananenbauer im Kongo erhält bestenfalls 10 Cent pro Kilo. Aus 100 Kilogramm Bananen werden 30 bis 40 Liter Wein. Pro Flasche verlangt Yves 9.50 Euro, ein angemessener Preis für dieses durch und durch nachhaltige Produkt. Der Transport der Früchte ist per se natürlich nicht nachhaltig, aber in Österreich werden jährlich 25 000 Tonnen Bananen weggeworfen. Nur die schaffen es in den Wein, im Vergleich zur entsorgten Gesamtmenge viel zu wenig.

Unendliche Möglichkeiten
Längst sind zum Bananenwein weitere Produkte hinzugekommen. Ananaswein, der Mangolikör und Essige. Yves sagt, man könne bei ihm bestellen. Zu erreichen ist er via Facebook auf der Seite Bananenwein aus Österreich. Dort können seine Produkte auch bestellt werden. Für den Aufbau eines Vertriebssystems reicht sein Umsatz noch längst nicht. Den kleinen Stand am Ende des Naschmarktes kann er sich nur leisten, weil er morgens hingeht und nimmt, was übrig ist – falls noch was übrig ist. Oft, ausser samstags, ist er dort anzutreffen. Die Mieten am Samstag kann er sich nicht leisten.

(sw)

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