Sascha Michael Campi und Valentin Landmann haben gemeinsam Verena Bösch durch ihren Fall sowie das Buch begleitet. (Foto: ZVG)
Kultur
Region|14.05.2021

Die Geschichte einer Unternehmerin, die Geld an einen Bitcoin-Betrüger verlor

Das Thema Kryptowährungen und Bitcoins ist seit Jahren in aller Munde. Die einen interessieren sich dafür und investieren, die anderen verstehen nur Bahnhof. Dass damit viel Geld gemacht werden kann, hat wohl schon jeder gehört. Der Traum vom vielen Geld dank Bitcoins wurde Verena Bösch* zum Verhängnis.

Sascha Michael Campi und Valentin Landmann haben gemeinsam Verena Bösch durch ihren Fall sowie das Buch begleitet. (Foto: ZVG)

Das Thema Kryptowährungen und Bitcoins ist seit Jahren in aller Munde. Die einen interessieren sich dafür und investieren, die anderen verstehen nur Bahnhof. Dass damit viel Geld gemacht werden kann, hat wohl schon jeder gehört. Der Traum vom vielen Geld dank Bitcoins wurde Verena Bösch* zum Verhängnis.

Sascha Michael Campi veröffentlichte in diesem Frühling ein weiteres Buch. Darin erzählt er die Leidensgeschichte von Verena Bösch, die in eine Bitcoin-Falle tappte. Das ist auch der Titel des Buches. «Aus der Presse vernahm man fast schon unwirklich hohe Gewinne. Einst tausend Franken investiert, und heute um zweihundert Millionen reicher. Der Bitcoin stieg und stieg. Mit ihm aber auch die Anzahl Betrugsdelikte», sagt Campi. Gerade Betrüger nutzen diese Nachrichten, um ihre Opfer per E-Mail oder Telefon zu akquirieren. Gerade während der Lockdowns wurden so viele potenzielle Opfer erreicht wie noch nie.

Verena Bösch will anderen Mut machen

Nach diesem Erlebnis kam der Schweizer Anwalt Valentin Landmann ins Spiel. Verena Bösch wandte sich an ihn – zum einen für eine juristische Beratung, zum anderen, um andere vor demselben Verlust zu bewahren und das Thema öffentlich anzusprechen. «Landmann, mit dem ich schon bei mehreren Buchprojekten zusammengearbeitet hatte, schlug mich als Autor vor», erzählt Campi. Zwei Punkte überzeugten ihn, das Angebot anzunehmen und das Buch zu schreiben: «Verena Bösch ist mittleren Alters und ist seit 30 Jahren als Unternehmerin unterwegs. Diese Konstellation ist optimal für einen exemplarischen Fall, den man in einem Buch verwenden und der Öffentlichkeit präsentieren kann.» Campi befürchtete, dass eine 20-jährige wohl fälschlicherweise vorschnell als blauäugig und eine 70-jährige als dement eingestuft worden wäre. Skepsis und Aufmerksamkeit seien also nie fehl am Platz. Kryptowährungen seien Teil unserer Zukunft. Darüber zu sprechen sei also wichtig. Campi wolle damit nicht gegen die Bitcoins wettern, sondern auf die Gefahren aufmerksam machen. «Mir war es wichtig, keine persönliche Meinung über den Bitcoin einfliessen zu lassen, denn es gibt viele Personen, die sehr viel Geld damit verdienen und verdient haben», erklärt Campi. Das Buch solle ein Schlag gegen die Betrüger sein – sie stehen im Visier, nicht Bitcoins. «Sowas kann mir nie passieren» ist ein Satz, der uns allen schon über die Lippen ging, doch könne es dennoch jeden von uns treffen.

«Eine Welt ist zusammengebrochen»

Verena Bösch hatte schon immer Interesse an Kryptowährungen. Ist der Handel mit einer in Krypto definierten Masseinheit nicht riskanter der mit Währungen oder Wertpapieren? Das Risiko bestehe erst dann, wenn ein Finanzberater eine Seriosität vorspielt, sagt Bösch: «Durch solche Betrüger gerät die Kryptowährung in ein schlechtes Licht. Das entspricht nicht der Tatsache. » Auch Bösch wusste am Anfang praktisch nichts über dieses Geschäft. Nach und nach informierte sie sich über verschiedene Plattformen und hatte sich rasch Fachkenntnisse angeeignet. Zudem wurde sie von ihrem Finanzberater mit zahlreichen Informationen beliefert. Bösch investierte also Geld. Gleichzeitig wurden ihr Dinge versprochen, die nicht den Tatsachen entsprachen. Das merkte sie aber schnell: «Da ich Mitte Mai eine grössere Zahlung erhielt, hatte ich bis zu allerletzt keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit meines Finanzberaters zu zweifeln. Erst am Schluss, als ich merkte, dass all die Gewinne nie realisiert werden können und ich auf einen Betrug reingefallen bin, brach für mich eine Welt zusammen. »

Die Chance, das Geld wieder zu bekommen und den Betrüger dingfest zu machen, sei klein. Zwar habe sie Strafanzeige eingereicht, doch sie warte noch immer auf eine Antwort der Staatsanwaltschaft. «Das ist etwas, was mich ärgert und wütend macht», sagt Bösch. Wie viel Geld Bösch genau verloren hat, will sie nicht sagen. Sie habe damit aufgehört, sich selbst daran zu erinnern. Es sei aber ein sehr hoher Betrag gewesen. Der Verlust des Geldes sei schmerzhaft. Immerhin habe sie hart dafür gearbeitet und auch redlich Steuern bezahlt. Noch grösser schmerze sie aber der Betrug an sich: «Ich habe einem Menschen vertraut, über den ich mehr Recherchen betrieben habe als über die Mitarbeiter meiner Bank. Wie soll ich noch jemandem Vertrauen können? Auch heute, wenn ich mein Tagebuch lese, stelle ich fest, dass es kaum einen Hinweis gab, der mich stutzig machen hätte können.» Bösch sei bewusst, dass es auch andere Opfer gibt, die aber nicht darüber sprechen wollen. Diesen soll das Buch helfen. Es soll ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind.

*Name der Redaktion bekannt

(red)

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