Hans Bärtsch ist das letzte Gründungsmitglied vom Alten Kino Mels und heute für die Programmgestaltung zuständig. (Foto: Ursina Marti)
Ortsporträt Mels
Region|27.08.2021

Als aus einem Kinosaal ein prominentes Kleintheater wurde

36 Jahre alt ist es schon, das Alte Kino Mels. Heute ein bekannter Ort, wo stets erfolgreiche Künstler, aber auch Newcomer aus der Theater-, Comedy- oder Musik- und Literaturszene auf der Bühne stehen. Eine Reise zurück zeigt, was sich alles getan hat.

Hans Bärtsch ist das letzte Gründungsmitglied vom Alten Kino Mels und heute für die Programmgestaltung zuständig. (Foto: Ursina Marti)

36 Jahre alt ist es schon, das Alte Kino Mels. Heute ein bekannter Ort, wo stets erfolgreiche Künstler, aber auch Newcomer aus der Theater-, Comedy- oder Musik- und Literaturszene auf der Bühne stehen. Eine Reise zurück zeigt, was sich alles getan hat.

Erst flimmerten Kinofilme über die Leinwand des Ende der 1950er-Jahre erstellten Gebäudes, doch irgendwann in den 1980er-Jahren lief es nicht mehr so wie erwartet. Dann kamen Hans Bärtsch, heute Präsident ad interim und Programm-Co-Verantwortlicher, und ein paar seiner Kameraden ins Spiel: «Wir wollten Kulturveranstaltungen zeigen und suchten dafür einen geeigneten Ort. Der damalige Besitzer des Gebäudes, der Liechtensteiner Architekt Franz Hasler, hatte ein offenes Ohr für uns und stellte uns das Gebäude zur Verfügung. » Bärtsch gehört zu den Gründungsmitgliedern. «Irgendwann mussten wir einen Zukunftsplan schmieden. Da wir damals als junge Leute keine Chance hatten, das Gebäude selber zu kaufen, suchten wir Hilfe. Ein ehemaliger Nationalrat und weitere engagierte Leute aus der Region setzten alle Hebel in Bewegung und konnten ihre Kontakte für uns nutzen», erzählt Bärtsch. So entstand die Sarganserländische Kulturstiftung Altes Kino Mels.

Alles ging drunter und drüber

Am 2. Februar 1986 gab die bekannte Schauspielerin Gardi Hutter den Startschuss auf der Bühne des Alten Kino Mels. «Als sie das erste Mal kam, sind ihr fast die Augen herausgefallen. Damals war die Bühne viel zu hoch und viel zu wenig tief gebaut, zudem musste sie für ihr Programm Löcher in die Wand bohren. Da wurde es uns wind und weh, weil abgemacht war, das Gebäude so zurückzugeben, wie wir es bekommen hatten. Mit dem ersten Loch wussten wir, dass wir diese Abmachung nicht einhalten können », lacht Bärtsch. Viele weitere Künstler folgten, von den Acapickels über Patent Ochsner und Züri West bis hin zu Bliss oder Michael Sele mit The Beauty Of Gemina, um nur ein paar wenige zu erwähnen.

Wenn sich Bärtsch an die Anfangszeit zurückerinnert, muss er schmunzeln, denn damals sei alles noch einfacher abgewickelt worden: «Ich kann mich noch an eine A-capella-Gruppe aus Holland erinnern. Die wollten einfach nicht ins Bett und feierten mit den verbleibenden Besuchern. Früher war in der Nähe des Alten Kino Mels noch eine grosse, unüberbaute Wiese, wo hin und wieder ein Schwingfest stattfand. Irgendwann war die ganze Truppe auf dem Sägemehl am ‹blöd tua›.» Geschlafen hätten die Künstler wohl nicht viel. Früher ergab sich aus finanziellen Gründen auch nicht oft die Möglichkeit, Künstler in einem Hotel einzuquartieren, also schliefen sie mit einem Schlafsack da, wo es gerade genügend Platz hatte. «Manchmal fragten wir auch im Dorf herum, wer noch ein freies Bett hat. So fanden manche Künstler bei Einheimischen eine Schlafmöglichkeit», erzählt Bärtsch.

(Foto: Ursina Marti)

Programm von A bis Z

Für das Jahresprogramm sind die Programmverantwortlichen stets daran, neue Künstler zu entdecken, aber auch bereits bekannte zurück auf die Kleintheaterbühne zu holen. «Ich persönlich lese viele Zeitungen, schaue Fernsehen, höre Radio und durchstöbere das Internet. So stosse ich oft auf Künstler, die es lohnt, zu engagieren. Wir bekommen aber auch Anfragen von Agenturen», erklärt Bärtsch. Er und seine Mitarbeiterinnen besuchen oft Konzerte, werden zu Premieren eingeladen und gehen an die jährliche Künstlerbörse nach Thun, wie er erklärt: «Dort bekommt man innerhalb von drei Tagen eine geballte Ladung von Künstlern, die Einblick in ihre aktuellen Programme geben. Entweder will man noch mehr sehen davon, dann geht man bei Gelegenheit das ganze Programm anschauen, oder man kann die Künstler sogleich buchen. »

Das Alte Kino Mels präsentiert auch immer wieder Selbstinszenierungen. Das bekannte Weihnachtsspiel, wo Kinder auf der Bühne stehen, sei für viele ein wichtiger Termin in der Agenda. Das gelte aber auch für das Theater der Erwachsenen. Gezeigt wurde unter anderem schon das Stück «Einer flog übers Kuckucksnest » oder die Geschichte der «Anne Frank». Noch laufen am Alten Kino kleinere und eine grössere Umbauarbeit – die Bühne wird vergrössert. Am 12. September startet das Alte Kino Mels aber wieder durch – und zwar mit dem Bündner Autor Arno Camenisch und einer Lesung aus seinem neusten Buch «Der Schatten über dem Dorf».

(um)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Kultur
Region|15.06.2021 (Aktualisiert am 15.06.21 15:23)
Die Qultur Mediengruppe wächst weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.