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Alessia Schönenberger in Mallorca. (Foto: Alena Rohmann)
Lifestyle
Region|21.06.2019 (Aktualisiert am 21.06.19 13:25)

Meinung

Über die sozialen Medien ist es ziemlich einfach, seine Meinung in die Welt zu tragen.

Alessia Schönenberger in Mallorca. (Foto: Alena Rohmann)

Über die sozialen Medien ist es ziemlich einfach, seine Meinung in die Welt zu tragen.

Die Kommentarfunktionen von Onlinemedien sind manchmal sogar anonym und so werden schnell hitzige Diskussionen entfacht. Im realen Leben für seine Meinung einzustehen, diese zu überdenken und andere zu akzeptieren, da tun wir uns jedoch viel schwerer.

In einem kleinen Dorf wird man schnell zum Exot, wenn man Dinge macht, die nicht unbedingt der Norm entsprechen. So fühle ich mich teilweise. Anonymität existiert dort nicht.

Sich das Leben so zurechtzule­gen, wie es für einen selber passt und nicht nach den typischen, verbreiteten Gesellschaftsnormen zu leben, bedingt viel (Selbst-)Vertrauen. Und wenn man dann noch so viel von sich preisgibt, bietet man natürlich automatisch Angriffsfläche. Dafür habe ich mich aber sehr bewusst entschieden, weil die schönen Rückmeldungen definitiv überwiegen. In solchen «Angriffsgesprächen» komme ich immer wieder zum gleichen Punkt. Ich selber sehe mich als reflektierte, offene und interessierte Person, die ihre Meinung und Weltanschauung ständig von verschiedensten Inhalten, Gesprächen und Erlebnissen prägen lässt, überdenkt und folglich auch anpasst.

Wenn ich in solche eher kritische Gespräche über meine Person oder meine Lebensanschauung gerate und meine Standpunkte versuche zu vertreten, begegne ich oft Sätzen wie: «Hier geht das aber nicht», «So zu leben, ist schon etwas egoistisch» oder «Kannst du denn das einfach so?».

Solche Personen nenne ich für mich liebevoll «Arschengel». Sie sollen mich immer wieder darauf aufmerksam machen, dass ich von meinem Leben und meinem Weg überzeugt bin. Ja, ich kann, ich mache und ich bin. Aber auf meine Weise. Denn es ist essenziell, dass sich mein Handeln für mich richtig anfühlt. Wie ich die Welt sehe und wie ich durchs Leben gehe, muss in erster Linie für mich stimmen und mich glücklich machen.

Genauso wichtig ist mir aber, dass dies auch für die anderen gilt. Auch in meinem engsten Umfeld gibt es Menschen, die in gewissen Punkten andere Anschauungen vertreten. Durch sie darf ich andere Perspektiven einnehmen, was ich auch unheimlich zu schätzen gelernt habe. Ich will niemandes Meinung ändern. Mit meinem Sein möchte ich vielmehr inspirieren, vielleicht das eine oder andere mal zu überdenken. Und wisst ihr was? Man spart so enorm viel Energie, wenn man nicht dauernd versucht, andere von den eigenen Ansichten zu überzeugen und die Leute einfach so sein lässt, wie sie sind. Es gibt einem selber und dem Gegenüber so viel Freiheit und Raum. Nichts­destotrotz verfalle ich noch manchmal ungewollt dem Zwang, die Meinung des anderen ändern zu müssen. Erkenne das mittlerweile aber ziemlich schnell und versuche dann, den Ausgang des Gespräches zu ändern.

Teste und beobachte dich mal selbst bei der nächsten Unterhaltung. Gib zu verstehen, dass du die Meinung des Gegenübers nicht teilst, es aber es völlig okay findest, zwei verschiedene Ansichten zu haben. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus, führen aber in den meisten Fällen zu Ungläubigkeit oder Entsetzen. Dass man Meinungsdifferenzen einfach so belassen kann, ist in unserer Gesellschaft ungewöhnlich.

Wir dürfen lernen, dass wir Menschen nicht verändern sollen und können. Jedoch können wir als Vorbilder vorausgehen. «Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.» wie Mahatma Gandhi so schön gesagt hat. Meinungsverschiedenheiten bereichern uns selber und unsere Gesellschaft sehr. Es kann nicht jeder so denken, fühlen und handeln wie du. Oberstes Gebot dabei: Leben und leben lassen.

Übrigens noch als Nachtrag zu meiner ersten Kolumne zum Thema Mut. Die hat mir schon einiges eingebrockt, ich musste meinen Mut unter Beweis stellen und habe mich sehr aus meiner Komfortzone bewegt. Was hat resultiert? Eine prägende, sehr positive Erfahrung, bei der ich viel über mich lernen konnte und die ich für immer in Erinnerung behalten werde. Mal sehen, wohin mich dieser Beitrag und die nächste Meinungsverschiedenheit bringen werden.

(as)

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