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(Foto: Alessia Schönenberger)
Lifestyle
Region|27.09.2019

Neid

Da steht er, in fetter und grosser Schrift als Titel dieser Kolumne. Neid ist der Ausdruck innerer Unzufriedenheit.

(Foto: Alessia Schönenberger)

Da steht er, in fetter und grosser Schrift als Titel dieser Kolumne. Neid ist der Ausdruck innerer Unzufriedenheit.

Sie hat den knackigeren Po, er das teurere Auto, der andere den besseren Job. Und die Nachbarn geben mit ihren ach so tollen Kindern an. Und wie reagieren die meisten von uns? Wir wollen den noch knackigeren Po, das noch imposantere Auto und noch mehr Karriere. Und wir führen unsere Errungenschaften und Familien vor, als wären sie Schaustücke. Oder wie es so im Volksmund heisst; “Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.” Und warum das alles? Einfach weil der Neid unsere Seele zerfrisst. Und jeder kennt das Gefühl.

Die schönste Erfahrung frei von Neid durfte ich während meines Coachings zusammen mit fünf Mädels machen. Fast alle waren oder wollten Fotografinnen werden, was grundsätzlich genug Potential für Neid hätte. Sechs Wochen haben wir uns mindestens einmal die Woche sehr intensiv über unsere Gefühle, Ängste und unser Leben ausgetauscht und uns so quasi nackt voreinander gestellt und unsere Masken fallen lassen. Während bei der einen manchmal das ein oder andere Tränchen kullerte, konnten wir uns im Gegenzug in der anderen Minute unglaublich für den Erfolg einer Anderen freuen. Jeder hat eine so komplett andere Lebensgeschichte, da wäre es doch irgendwie nicht richtig, an jeden die gleichen Erwartungen zu stellen? Wenn man die denn überhaupt stellen darf, aber das ist ein anderes Thema. Dieses Mädelsnetzwerk hat mir wieder einmal mehr gezeigt, dass Verletzlichkeit verbindet und uns der materialistische Besitz langfristig nicht glücklich macht. Es fühlt sich unglaublich leicht an, auch seine Freuden ungehemmt zu teilen und zu spüren, dass man sich aufrichtig mit dir freut.

Wenn ich mich während dem Scrollen durch den Instagram Feed das wurmende Gefühl des Neids aber doch übermannt, versuche ich es zu erkennen und transformieren. Neid als Chance zu sehen, finde ich persönlich die beste Art mit dem miesen Gefühl umzugehen. Anstatt den Erfolg der beneideten Person zu entwerten ist ein “in sich hineinschauen” sinnvoll. Wenn man in der Lage ist, sich einzugestehen, dass man gerade neidisch ist, sollte man dem Gefühl erst einmal Raum lassen und ihm auf den Grund gehen. Wenn ich beispielsweise jemandem neidisch bin, der den gesunden Lebensstil von A-Z lebt, was durchaus vorkommt, dann frage ich mich Folgendes: Ist es der gesunde Lebensstil, den ich beneide und selber auch gerne leben würde? Oder ist es vielleicht die Konsequenz oder Disziplin dieser Person, die ich selber nicht besitze? Dann zoome ich heraus und frage mich, wieviel Sinn es für mich wirklich macht, diese Eigenschaft in mein Leben zu integrieren. Auf was müsste ich verzichten? Was würde sich verändern? Entweder arbeite ich dann an mir oder sehe ein, dass das für mich keinen Sinn macht und entscheide mich gegen den Neid. Das klingt nicht nur einfach, ist es auch, wenn man sich selber gut kennt und mag.

Weil wir uns alle lieber als strahlende Gewinner sehen möchten, gestehen wir uns normalerweise nicht ein, dass wir neidisch sind. Neid ist negativ behaftet und wird mit Missgunst und Kleinlichkeit assoziiert. Für mich gibt er Antrieb in mich hineinzuhorchen, mich besser kennen zu lernen, zu analysieren und zu transformieren.

alessiaschoen.com Instagram: alessia.schoen

(as)

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