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Region|16.08.2019

Hisst die Segel – Die Online-Piraterie erhält starken Fahrtwind im immer grösseren Streaming-Meer

Die Zahl der Streaminganbieter wächst. Früher oder später muss man auch in der Schweiz für die gleiche Vielfalt wieder tiefer in die Tasche greifen. In Amerika führt die steigende Anzahl der Anbieter zu einer Renaissance der Online-Piraterie.

Die Zahl der Streaminganbieter wächst. Früher oder später muss man auch in der Schweiz für die gleiche Vielfalt wieder tiefer in die Tasche greifen. In Amerika führt die steigende Anzahl der Anbieter zu einer Renaissance der Online-Piraterie.

Seit 2014 ist Netflix in den Schweizer Markt eingetreten und hat damit die neue Ära des Fernsehens endgültig in der Schweiz eingeläutet. Der Streamingdienst soll schätzungsweise 1,3 Millionen Abonnenten in der Schweiz allein haben. Aktuelle Zahlen gibt Netflix aber nicht bekannt. Diese Ära könnte aber nun langsam ein jähes Ende finden. Neue Streaming-Plattformen wie Apple TV+ haben angekündigt, im Herbst diesen Jahres in der Schweiz durchzustarten. Der neue Streamingdienst von Disney wird im Verlaufe von 2020 erwartet. Die neuen Anbieter sorgen aber nicht zwingend für mehr Vielfalt, vielmehr sorgen sie dafür, dass sich sehr beliebte Titel exklusiv auf der einen oder anderen Plattform befinden.

Tiefer in die Tasche greifen

Wie sieht es also aus, wenn man legal die Top-Serien der vergangenen Monate ansehen will? Für «Game of Thrones» braucht man Sky Show, das mit 14.90 Franken monatlich erworben werden kann. «Orange ist the New Black» oder «Stranger Things» gibt es bei Netflix, dessen Standard-Abo 16.90 Franken kostet. Will man dazu eine Serie, die auf Amazon Prime Video läuft, etwa «Mr. Robot», sind weitere 7.20 Franken monatlich fällig. Der Preis von Apple Plus ist noch nicht bekannt, wird aber, um konkurrenzfähig zu sein, wahrscheinlich im Bereich von Amazon Prime sein, da die Mediathek um einiges kleiner als die von Netflix oder Disney+ sein wird. Disney selbst hat noch keinen Preis für den Schweizer Markt kommuniziert wird aber in Amerika für 6.99 US-Dollar angeboten. In den USA ist der Markt ohnehin langsam übersättigt und zeichnet ein zukünftiges Stimmungsbild für die Schweiz ab. Mit weiteren Anbietern wie HBO, CBS All Access und Hulu. In den USA zeigt sich, dass in den vergangenen Monaten mehr Inhalte heruntergeladen wurden als je zuvor. Das trifft vor allem TV-Serien, bei Filmen ist sogar ein leichter Rückgang der unerlaubten Downloads zu bemerken. Laut der Antipiraterie-Organisation Muso gab es 2017 weltweit 107 Milliarden Aufrufe von Webseiten für TV-Piraterie.

Musikindustrie macht es vor

Will man derzeit in der Schweiz vom grösstmöglichen Angebot profitieren, muss man 40 bis 50 Franken monatlich abdrücken. Ganz anders sieht es in der Musikbranche aus. Die Dienste wie Spotify oder Apple Music sind zwar prinzipiell mit den Streaminganbietern von Filmen vergleichbar. Dort sind nur wenige Titel exklusiv oder gar nicht erhältlich, die Ausnahmen wie beispielsweise Beyonces aktuelles Album zeigen, dass diese einfach tendenziell massiv stärker illegal heruntergeladen werden. Dieses Prinzip zeigt aber auch, dass dort Wettbewerb entsteht, wo er entstehen soll: Bei der Benutzerführung, den Zusatzfunktionen, der Software, den Musikempfehlungen und dem Preis. Die Nutzer haben also eine echte Wahl. Der feine Unterschied ist, die Anbieter produzieren ihre Inhalte nicht selbst. Langfristig muss der «freie Markt» das vermeintliche Überangebot regeln. Für Nutzer wird es in den nächsten Jahren aber weiterhin darauf hinauslaufen, zwischen Anbietern hin und her zu wechseln, wenn sie im legalen Rahmen bleiben wollen. Die Illusion eines Vollangebots, die Netflix für ihre User anfangs versprach, ist jedenfalls dahin. Solange aber die Plattformanbieter gleichzeitig auch die Produzenten vieler Inhalte sind, werden sie ihre Inhalte wohl exklusiv für die eigene Plattform produzieren. Dann allerdings muss den Anbietern auch klar sein, dass das illegale Filesharing zurückkommen wird. 

(red)

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