Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Multimedia
Region|16.08.2019

Katzenvideos und Memes in deiner Timeline können eine politisierende Auswirkung haben

Wenn die Timeline auf Instagram, Twitter oder Facebook überwiegend aus Katzenbildern oder Memes besteht, nehmen Nutzer politische Inhalte nicht nur besser auf, sondern es steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sich eher politisch zu engagieren. Dies ergab eine Studie der Universität Wien.

Wenn die Timeline auf Instagram, Twitter oder Facebook überwiegend aus Katzenbildern oder Memes besteht, nehmen Nutzer politische Inhalte nicht nur besser auf, sondern es steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sich eher politisch zu engagieren. Dies ergab eine Studie der Universität Wien.

Katzenfotos auf Twitter, Instagram und Facebook sind gar nicht mal so harmlos, wie man meinen würde. Dominieren Inhalte von lustiger Natur die eigene Timeline in einem sozialen Netzwerk, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein durchgerutschter politischer Inhalt besser im Gedächtnis bleibt. Die Studie, die Anfang Jahres die Kommunikationswissenschaftler Raffael Heiss und Jörg Matthes von der Universität Wien veröffentlicht haben, basiert auf der früheren Erkenntnis, dass der Konsum von Nachrichten einen Einfluss auf politisches Wissen und politische Teilnahme beziehungsweise den Wunsch, sich politisch zu engagieren, haben können. Die Ergebnisse zeigen: Nachrichten aus der Politik werden kognitiv besser verarbeitet, wenn es zwischendurch etwas zu Lachen gibt.

Wichtige Informationsquelle

Soziale Netzwerke haben sich zu einer wichtigen neuen Quelle für politische Informationen entwickelt. Nach Angaben des Pew Research Centers nutzen 68 Prozent der Facebook-Nutzer, 73 Prozent der Twitter-Nutzer, 30 Prozent der Instagram-Nutzer und 31 Prozent der YouTube-Nutzer die Netzwerke für Nachrichten. Dabei sind die Nutzer häufig politischen Informationen ausgesetzt. Nicht weil sie aktiv nach solchen Informationen suchen, sondern weil sie zufällig darauf stossen. Darüber hinaus hat das Umfeld der neuen Medien den Kontext verändert, in dem politische Nachrichten verarbeitet werden. Obwohl politische und unpolitische Beiträge im Newsfeed getrennt angezeigt werden, können Benutzer ihren Newsfeed in der Regel schnell runterscrollen, einzelne Posts bewerten und von einem Post zum nächsten springen. Die Art und Weise, wie Benutzer einen politischen Beitrag im Newsfeed bearbeiten, kann daher stark von den Kontextbeiträgen abhängen, das heisst vom Empfang der vorhergehenden Beiträge sowie von den Erwartungen an die kommenden Beiträge.

Lustig oder neutral?

Die Studie führte Experimente durch, in denen einer Gruppe von Studierenden manipulierte Facebook-Feeds vorgelegt wurden. In diesen Feeds wurden drei Nachrichtenbeiträge zwischen 16 unpolitischen, unterhaltenden Inhalten platziert. Bei den inhaltlich neutralen Beiträgen handelte es sich um lustige Katzen- oder Failvideos sowie Memes. Als Vergleich erhielt eine andere Gruppe einen Feed, in dem dieselben politischen Beiträge zwischen neutralen, weniger unterhaltenden Beiträgen verteilt ­wurden. Die witzigen und neutralen Beiträge waren inhaltlich miteinander vergleichbar, während bei der ersten Gruppe beispielsweise eine Babykatze die Treppe herunterfällt, wurde bei der Kontrollgruppe ein Video von einer Babykatze gezeigt, die umherläuft. Einige der unpolitischen Beiträge wurden auch in englischer Sprache verfasst, da virale Inhalte häufig auf internationaler Ebene verteilt werden. Die Ergebnisse zeigten, dass Nachrichten, die in den Feeds mit lustigen Videos eingebettet wurden, aufmerksamer gelesen wurden. Ausserdem stärkten sie den Wunsch der Teilnehmer, sich politisch zu engagieren. Die lustigen Inhalte waren für allem für jüngere Personen mit höherer Bildung entscheidend und positiv. Dabei machten sie nur rund 9 Prozent der Stichprobe aus. Darüber hinaus könnten andere Personen in der Stichprobe die Beiträge auch als witzig einstufen, weil sie beispielsweise unterhaltungsorientiert sind.

Nicht alle Nutzer sind gleich

Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht für alle. Nutzer, die soziale Netzwerke generell weniger für den Konsum von Nachrichten verwendeten, zeigten eine positive Beeinflussung durch lustige Beiträge auf. Bei jenen Teilnehmern, die grundsätzlich mehr Nachrichten aus sozialen Medien beziehen, wurde die kognitive Aufnahme von politischen Inhalten jedoch negativ beeinflusst. Auch konnte keine positive Auswirkung auf die Erweiterung des politischen Wissens der Teilnehmer erkannt werden. Darüber hinaus ergaben die Auswertungen, dass sich die Nutzung sozialer Medien für Nachrichten negativ auf den Wissenserwerb von Nachrichten auswirkte. Eine mögliche Erklärung für den politisierenden Effekt kommt aus Untersuchungen über die Wirkung von Werbung. Die Untersuchungen legen nahe, dass Humor die Aufmerksamkeit auf Informationen richten kann, die sonst nicht wahrgenommen werden. Das bedeutet in diesem Fall, dass lustige Katzenvideos nur politisieren, wenn Nutzer hauptsächlich zur Unterhaltung durch ihre Timeline scrollen und die politischen Nachrichten nur beiläufig erscheinen.(lk)

(lk)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Multimedia
Region|16.08.2019
Hisst die Segel – Die Online-Piraterie erhält starken Fahrtwind im immer grösseren Streaming-Meer
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung