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(Foto: ZVG)
Unterwegs
Region|13.09.2019

Moldawien, Osteuropas unbeachtete Schönheit

Der offizielle Name lautet Republik Moldau. Eingeklemmt zwischen Rumänien, der Ukraine und flankiert von Transnistrien ist der junge Staat auf der Suche nach seinem Weg.

(Foto: ZVG)

Der offizielle Name lautet Republik Moldau. Eingeklemmt zwischen Rumänien, der Ukraine und flankiert von Transnistrien ist der junge Staat auf der Suche nach seinem Weg.

Zum früheren Fürstentum Moldau gehörten die Gebiete Rumäniens und Moldawiens. Danach war es Teil des riesigen russischen Zarenreichs, Teil Rumäniens und Teil der Sowjetunion, bevor es 1991 eigenständig wurde. Auf Mallorca landen täglich mehr Touristen, als in Moldawien im ganzen Jahr. Touristisch erschlossen ist bislang nur eine Region. Das macht dieses unberührte Land so liebenswert. Touristen sind hier noch echte Gäste.

Chişinău – die Hauptstadt

Einer der beiden internationalen Flughäfen ist in Chişinău. Von dort mit dem Mietwagen zu starten, ist die einfachste Möglichkeit, das Land zu erkunden. Die Hauptstadt selbst ist architektonisch eine Mischung aus wundervollen Kirchen, inzwischen renovierten Gebäuden aus der Zarenzeit und eintöniger grauer sowjetischer Architektur aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Der neue Präsidentenpalast orientiert sich – etwas übertrieben – an den sozialistischen Monumentalbauten, obwohl der junge Staat seit seiner Gründung nach Europa strebt. Gleich nördlich der Stadt wartet eine Attraktion: In der kleinen Stadt Cricova ist der Eingang zum grössten Weinkeller der Welt. In einem Kalksteinbruch wird nicht nur der moldawische Wein gelagert, Sammler aus aller Welt nutzen die optimalen Bedingungen und den unerschöpflichen Platz in den alten Stollen. Hier lagern auch grosse Mengen der wertvollen Weine, die die Sowjets am Ende des Zweiten Weltkrieges Hermann Göring abnahmen. In den Stollen fuhren die wenigen Besucher vor einigen Jahren noch mit dem PKW, inzwischen wird man dem Ansturm mit Elektrozügen gerecht.

Das Orheiul Vechi

Dieses Gebiet ist das einzige, welches touristisch zwar nicht erschlossen, aber gut vorbereitet ist. Der kleine Fluss Răut hat dort, wo einst das Sarmatische Meer wogte, 300 Meter tiefe Täler in die Kalksteinfelsen gespült. Weil der Fluss hier in einer engen doppelten Schleife fliesst, stehen die Felsen wie Wände in der Landschaft. In den Dörfern enden die ausgebauten Strassen. Pferdefuhrwerke werden mehr, Autos weniger. Ziehbrunnen säumen etwa alle 200 Meter die Strassen, die sich, immer dem Lauf des Flusses folgend, durch die lang gezogenen Ortschaften schlängeln.

Häuser mit Wasseranschluss

Eines der Dörfer, Butuceni, hat aus der Not eine geniale Idee geboren. Die Jungen verlassen die Gegend. Die Alten sterben. Zurück bleiben die winzigen charakteristischen Steinhäuser. Eines dieser Häuser im Dorfzentrum ist die Rezeption. Die anderen topsanierten Häuser sind jetzt Apartments. Neue und sanierte Häuser in Moldawien werden inzwischen an das öffentliche Wasser- und Abwassernetz angeschlossen. Verteilt über die ganze Länge Butucenis gibt es winzige Gaststätten, einfach und gut. Die Speisekarten und die Preise sind bei allen gleich, sodass sie sich gegenseitig nicht als Konkurrenz behindern. In der traditionellen Küche mit Holzofen wird von den älteren Frauen frisch gekocht, während junge Frauen, die auch englisch sprechen, die Gäste betreuen.

Historisch gewachsen

Mitten in der grösseren Schlaufe des Flusses waren und sind die Archäologen am Werk. Das Gebiet ist seit der Steinzeit besiedelt und mittendrin sind bedeutende Grabungsstätten aus allen Epochen der Menschwerdung. Und über allem thront eine russisch-orthodoxe Kapelle, die zu einem Höhlenkloster gehört. Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Mönche in ihren kleinen Zellen in der Felswand.

Back to the Roots

Das ganze Gebiet ist ideal für Wanderer. Man trifft sie überall. Und ebenso viele Individualisten mit Isomatte und Schlafsack sind unterwegs, um das Land zu entdecken. Aber die Tramper am Strassenrand sind hauptsächlich Einheimische, die die zunehmende Menge der Autos selbstverständlich als Beifahrer nutzen können. Keiner bleibt da lange stehen. Moldawien zusammengefasst: Ein urtümliches, fruchtbares Land, gebeutelt von seiner wechselvollen Geschichte, gastfreundlich, herzlich, landschaftlich reizvoll. Sehens- und erlebenswert.

(sw)

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