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Der Wartauer Schwinger Kjetil Fausch. (Fotos: Emil Bürer)
Vermischtes
Region|16.08.2019

Wartauer schwingt am Eidgenössischen

Sie stehen sich gegenüber, schütteln sich die Hände, und dann wird der Griff an der Schwingerhose angesetzt. Wer zuerst auf dem Rücken im Sägemehl landet, hat verloren und muss sich für diese Runde geschlagen geben.

Der Wartauer Schwinger Kjetil Fausch. (Fotos: Emil Bürer)

Sie stehen sich gegenüber, schütteln sich die Hände, und dann wird der Griff an der Schwingerhose angesetzt. Wer zuerst auf dem Rücken im Sägemehl landet, hat verloren und muss sich für diese Runde geschlagen geben.

Der Schweizer Nationalsport Schwingen oder auch bekannt als «Hosenlupf» wird immer beliebter und viele Leute zieht es jeweils an die Feste. Einer, der selbst im Sägemehl steht und um Kränze kämpft, ist der 23-jährige Wartauer Kjetil Fausch. Bei einem Besuch in der Weite haben wir mehr über den jungen, engagierten und leidenschaftlichen Sportler erfahren.

Ich war nie ein guter Turner

Mit jungen Jahren hat Kjetil Fausch im einheimischen Turnverein mitgemacht, doch merkte dann bald, dass dies nicht seine Sportart ist. Schon als kleiner Junge bewunderte und verfolgte er die Schwinger im Fernsehen oder ging an das eine oder andere Schwingfest und sah zu. Er löste sich vom Geräteturnen und entschied mit 18 Jahren, in den Schwingsport einzusteigen. Heute, gerade mal fünf Jahre später, ist er bereits Besitzer von drei Kränzen und stolz darauf. Dass er so spät mit dem Schwingen angefangen habe, sei klar ein Nachteil, doch wenn der Wille da sei, könne man auch gut werden, auch wenn die anderen schon ein paar Jahre mehr Sägemehlerfahrung haben. Kjetil Fausch trainierte von da an fleissig und das mehrmals die Woche. Dazu gehören nicht nur die 2–3 Trainings im Sägemehl, sondern auch viel Krafttraining. Das variiere aber von Schwinger zu Schwinger, Kjetil Fausch trainiert vor allem auch, um gegen Verletzungen vorzubeugen, denn er hatte das linke und rechte Kreuzband bereits gerissen. Doch es gehe nicht nur darum, stark zu sein, sondern auch gegen das Gewicht des Gegners anzukommen und so auch seinen eigenen Körper kennenzulernen.

Am Eidgenössischen Schwingfest mitzukämpfen, macht mich stolz

Vom 23. bis 25. August 2019 findet in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt, dass nur alle drei Jahre ist und zu einem der grössten Feste in der Schweiz gehört. Um bei diesem Spektakel dabei zu sein, muss man sich qualifizieren und das hat Kjetil Fausch geschafft, er wird zum ersten Mal vor mehr als 50 000 Zuschauern im Sägemehl kämpfen. Bereits seit dem Winter ist Kjetil Fausch in den Vorbereitungen für das Eidgenössische: «Mein Ziel war es, dass ich mich für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest qualifiziere und das habe ich erreicht», freut sich Kjetil Fausch. Nun ist er gespannt, was ihn erwartet und wie es auch sein wird, vor so einer Menschenmenge zu schwingen. Dies erlebe man nicht alle Tage und so eine Erfahrung machen zu dürfen, sei riesig. Erst fünf Wochen vor dem Schwingfest haben die Nordostschweizer erfahren, wer nach Zug reisen wird. Nebst Kjetil Fausch haben sich auch seine Trainingskollegen Fabian Bärtsch, Christian Bernold, Michael Bernold und Marco Good vom Schwingklub Mels für das Eidgenössische qualifiziert. Für Christian Bernold und Marco Good ist es bereits die zweite Teilnahme. Für Kjetil Fausch ist die Vorbereitung noch intensiver, da es mit der Teilnahme geklappt hat. Körperlich läuft die Vorbereitung bei Kjetil Fausch gut, mental ist er eher planlos. «Ich sass bereits in dieser riesigen ESAF-Arena und weiss, wie es da zu und her geht und die 56 000 Zuschauer, die da drinnen sitzen, kommen ja nicht wegen mir. Laut Erfahrungsberichten von anderen Schwingern wird es aber sicher sehr beeindruckend mit dieser Kulisse. Bis jetzt habe ich noch keine Lösung gefunden, wie ich mir das vorstellen soll, da müsste ich mit dem FC St. Gallen ins Stadion hineinlaufen, um es vergleichen zu können, meine mentale Vorstellung ist darum einfach die Freude auf das Schwingfest.»

Mein Ziel war die Teilnahme

Der 23-jährige Wartauer könnte am Eidgenössischen Schwingfest auf Namen wie Armon Orlik, Nöldi Forrer oder Kilian Wenger treffen, und das wäre für ihn bereits eine grosse Ehre. Kjetil Fausch hat sich aber für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest kein Ziel gesetzt, denn dies habe er bereits erreicht. Klar ist aber, dass er versuchen will, in jedem Gang, den er antreten wird, zu gewinnen. Schlussendlich sei es ja dasselbe, nur dass man nicht an einem kantonalen oder kleineren Schwingfest kämpft. «Ich nehme Gang für Gang und versuche, in jedem Vollgas zu geben!» Die Spitzenkämpfer gehen mit anderen Zielen hin, doch auch diese seien wohl noch nervös. «Ich habe ein Interview von Matthias Glarner, dem amtierenden Schwinger-König gelesen und darin sagte er, dass er am Sonntagmorgen vor Nervosität erbrechen musste. Also ist es auch für die Spitze kein Fest wie jedes andere.»

Gegen Kilian Wenger würde ich gerne einmal antreten

«Kilian Wenger ist schuld, dass ich mit dem Schwingen angefangen habe und gegen ihn einmal zu schwingen, wäre ein Erlebnis, doch wenn ich in der Zeit noch weiter zurückgehe, würde ich auch gegen Karl Meli Senior mal schwingen. Er war zwei Mal Schwinger-König und gilt bis heute als bester Schwinger. Dies werden wohl Träume bleiben, doch wenn man mit Schwingern von der Spitze eingeteilt wird, ist es ein Leistungsausweis, dass man gut ist», erzählt Kjetil Fausch. Gegen Armon Orlik, Nöldi Forrer und Samuel Giger durfte Kjetil Fausch bereits schwingen und sagt lachend: «Ja, ich habe alle drei Kämpfe verloren, doch es macht mich stolz, dass ich gegen sie antreten durfte.» Für jeden Schwinger sei es der Traum, einmal Schwinger-König zu werden, doch für viele bleibe es ein Traum und auch manch guter Schwinger erreicht keinen eidgenössischen Kranz. Für Kjetil Fausch selbst ist es das Ziel, jedes Jahr seine erschwungenen Kränze zu bestätigen. Und vielleicht ergibt sich ja mehr als eine Teilnahme am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.

(um)

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