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Samuel Vils liegt die Regionalität der Produkte und vor allem das Fördern von Biodiversität sehr am Herzen. Schmetterling, Wildbiene und Co. seien wichtige Arbeiter in unseren Gärten. (Fotos: Michael Zanghellini)
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Region|14.05.2021

Freude für den Mensch, Lebensraum für die Tiere

Auf dem Liegestuhl sonnen, mit Freunden grillen oder mit Kindern oder Hunden über die Wiese laufen – ein Garten ist ein beliebter Aufenthaltsort in der Freizeit. Umso wichtiger ist, dass er auch optisch etwas hergibt und gemütlich ist. Wenn man damit auch noch die biologische Vielfalt fördern kann, ist dies umso besser.

Samuel Vils liegt die Regionalität der Produkte und vor allem das Fördern von Biodiversität sehr am Herzen. Schmetterling, Wildbiene und Co. seien wichtige Arbeiter in unseren Gärten. (Fotos: Michael Zanghellini)

Auf dem Liegestuhl sonnen, mit Freunden grillen oder mit Kindern oder Hunden über die Wiese laufen – ein Garten ist ein beliebter Aufenthaltsort in der Freizeit. Umso wichtiger ist, dass er auch optisch etwas hergibt und gemütlich ist. Wenn man damit auch noch die biologische Vielfalt fördern kann, ist dies umso besser.

Vögel, Wildbienen und Schmetterlinge können teils lästig sein, dabei haben sie eine wichtige Funktion. Ohne Vögel und Insekten geht es nämlich nicht. Die Philosophie der biologischen Vielfalt respektive Biodiversität liegt auch dem Sarganserländer Samuel Vils am Herzen: «Ich habe im konventionellen Gartenbau gelernt, aber immer mehr angefangen umzustellen, da es viel mehr natürliche Alternativen gibt», sagt Vils. Ihm wurde klar, dass es bei den Gartenarbeiten immer nur um die Bedürfnisse der Menschen geht. Die Tierwelt werde aber aussen vor gelassen. «Der Kunde will etwas in seinem Garten gemacht haben und hat ein ‹Problem›. Der Rest ist gar kein Thema», erklärt Vils. Somit begann er die Bedürfnisse beider Seiten zu erfüllen. «Ich setzte die Bepflanzungen und das Material so um, dass es auch für die Tiere interessant ist. Die Gärten sehen aber nicht anders aus als alle anderen. Nur wähle ich die Pflanzen so gewählt, dass auch Vögel oder Wildbienen etwas davon haben », sagt Vils.

Mediter­rane Pflanzen pflanzt Samuel Vils oft, diese Blumen halten nicht nur unsere Hitze aus, sondern sind auch bei den Tieren beliebt.

Dem eigenen Garten sei

Dank Erst sein eigener Garten habe bei Vils den Schalter umgelegt. Als Gärtner habe er nie seine Ruhe. Im ganzen Stress habe er die Tiere nicht wahrgenommen – sie fliehen sowieso, da es ihnen zu hektisch ist. Seine «heimlichen Mitbewohner » lernte Vils erst in aller Ruhe kennen. Mit diesen wollte er sich mehr befassen. «Das war der Impuls, bei dem ich merkte, dass Biodiversität viel Potenzial hat», erklärt Vils. Mit seinem eigenen Geschäft, PassionVerde, kann er all diese Punkte vereinen und aus seiner Arbeit Positives herausholen. Sein Ziel sei es aber nicht, seine Kunden zur Biodiversität zu «bekehren», sondern deren Wünsche so gut als möglich umzusetzen. Zusätzlich arbeite er so, dass auch die Tiere gefördert werden. «Ich schaue mit meinen Kunden die Gärten bei der Planung aus der Vogelperspektive an. Dasselbe mache ich auch für die Tiere. Wenn ich von Tieren spreche, meine ich Vögel, Wildbienen, Eidechsen und Schmetterlinge. Bei diesen Tieren macht es auch Sinn, wenn wir sie im eigenen Garten fördern», erklärt Vils. Mit der Art der Bepflanzung könne man sehr gut steuern, welche Tiere es sich gemütlich machen: «Es gibt viele Blüten, die für Insekten interessant sind. Anderen wiederum schenken sie keine Beachtung.» Das Summen und Brummen löse in Vils Glückgefühle aus. Es gebe ihm ein gesundes Gefühl. Zudem könne er den Leuten auf diese Weise einen Zugang zur Natur geben. Die meisten nehmen ihren Garten dadurch ganz anders wahr.

Gelernt hat Vils im konven­tionel­len Gartenbau, wollte dann aber schnell auf Biodi­versität umsteigen.

«Biodiversität ist wichtig»

Ohne Biodiversität gehe es nicht. Vor allem Wildbienen pflegten ein grosses Schattendasein, erklärt Vils: «Viele wissen nicht, dass Wildbienen viel fleissiger sind als Honigbienen. Sie bestäuben mehr Blumen und brauchen darum auch mehr Platz.» Vils wolle nicht Naturgärten bauen, sondern dem normalen Bürger etwas geben. Die Gärten sollen nicht der Wildnis ähneln, aber auch nicht topmodern und zu säuberlich sein – das Mittelmass mache es aus. «Biodiversität hat nichts Negatives an sich. Ich bepflanze anders und benutze andere Materialien. Das hat aber keinen Nachteil», sagt Vils. Je nachdem, wie man den Garten bepflanze, können die Bienen im Garten leben, ohne dass man sich von ihnen gestört fühlt. All diese Tiere seien wichtig. Wenn man die Natur machen lasse, seien sogar alle Mittel wie Pestizide und dergleichen überflüssig: «Ist eine Pflanze von Blattläusen befallen, sollte man nicht gleich etwas spritzen, denn der natürliche Gegenspieler wird kommen und sie fressen. Uns braucht es eigentlich nicht.» Vils weiss, dass immer noch ein letzter Ausweg bleiben würde, wenn alles in die Hose geht. Dies sei bislang aber noch nie der Fall gewesen. Neben der Bepflanzung spiele auch das Material eine tragende Rolle. «Wenn immer möglich, verwende ich Materialien, die bereits vorhanden sind, wieder. Zu 90 Prozent kann ich sie wiederverwenden», sagt Vils. Ihm sei wichtig, dass beispielsweise das Holz so regional wie möglich ist – weiter als Vorarlberg sei er noch nie gegangen. Meistens lasse er das Holz beim Forstamt zuschneiden. «Wir haben ebenso schöne Materialien, die langlebig sind. Den Kies habe ich aus dem Rhein bei Balzers. Die Steine der Trockensteinmauer stammt aus dem Steinbruch bei Fäsch. Die Qualität aus der Schweiz ist genauso gut», sagt Vils. Wünschen Kunden tropische Hölzer oder Kunststoff, verzichtet er auf die Arbeit. Es gäbe genügend Alternativen, die dasselbe bieten. Da weiche er nicht von seiner Linie ab. «Ich habe beispielsweise schon Holz thermobehandelt, damit es länger lebt. Dabei kamen keine künstlichen Mittel zum Einsatz », sagt Vils.

Diese Steinmauer vollendet den Garten des Kunden nach Wunsch und schafft Platz für Tiere, wie beispielsweise Eidechsen.

Kein Gift, aber viel Geduld

Wer selber biodivers arbeiten möchte, sollte einerseits viel Geduld haben und andererseits auf Pestizide, Herbizide, Kunstdünger und so weiter verzichten. «Wir müssen mit der Natur kulanter sein und nicht gleich bei jedem braunen Fleck in der Wiese den Rasensprenger einschalten. Wenn man aber proaktiv handeln will, sollte man ein Naturangebot schaffen, sprich wertvolle Pollen und Nektarpflanzen», erklärt Vils. Erst dann lohne es sich, Nisthilfen und Insektenhotels aufzustellen. Und wer sich ein Insektenhotel wünscht, sollte auf die Qualität achten: «Das, was wir im Fachhandel bekommen, schadet zu 90 Prozent den Bienen. Die typischen Insektenhotels, die wir bekommen, sind für diejenigen Bienenarten, die es bei uns sowieso schon gut haben und nicht unbedingt gefördert werden müssen.» Die meisten Bienen suchen sich ein Plätzchen im Boden, zwischen Fugen oder in totem Holz. Darum empfiehlt Vils, sich erst zu informieren und erst dann kaufen: «Immerhin informieren wir uns auch, bevor wir uns einen Hund beschaffen. » So sei es auch bei den Hotels. «Viele Leute nageln die Hotels an die Wand, richten diese falsch aus und wissen nicht einmal, was sie fördern. Dabei sollte man schon wissen, was bei einem aus und ein geht.

Auf tropische Hölzer verzichtet Samuel Vils. Sein Holz ist meist aus den Wäldern im Sarg­anserland.

Zusammenarbeit mit Naturschutz

Damit Vils seine Arbeit richtig macht und auch diejenigen Tiere fördert, bei denen das Sinn ergibt, arbeite er eng mit dem Naturschutz zusammen. «Wir haben bei uns ein sehr aktives Vogelleben. Ornithologen suchen immer wieder Plätze, wo sie Nisthilfen aufhängen können. Wenn ich einen Garten plane, halte ich mit ihnen Rücksprache und schaue, dass ich Bäume und Sträucher pflanzen kann, die den Vögeln auch helfen», erklärt Vils. Was die Pflanzen anbelangt, könne Vils nicht nur auf regionale Produkte zurückgreifen. Hier komme es nämlich darauf an, was das Tier mag. «Die Klimaerwärmung ist ein grosses Thema. Deshalb muss ich auch die Bepflanzung auf die Extremsituationen ausrichten », sagt Vils. Die Wechsel werden immer heftiger: Die einheimische Flora blüht von Mai bis Juni. Danach sei schon wieder der Wechsel in die Fruchtproduktion. Die Tiere hätten also nur einen kurzen Moment Zeit, um Nahrung zu finden. «Den Bienen und anderen Insekten ist es egal, von wo die Pflanze kommt, Hauptsache, sie haben Futter. Wenn wir auch ausländische Pflanzen setzen, ist ihr Esstisch viel grösser», erklärt Vils. Gerade die mediterranen Pflanzen seien geeignet. Einerseits halten sie den hohen Temperaturen stand, andererseits lieben die Insekten sie. Dies schaffe einen natürlichen Lebensraum und vergrössere das Artenspektrum. «Einheimisch ist immer besser, aber wenn die Tiere die Pflanzen nicht beachten, dann hilft das auch nichts», sagt Vils. Wer einen Balkon hat, könne ebenso Biodiversität fördern, sollte dies aber nicht krampfhaft tun. Auch da würden mediterrane Pflanzen helfen. Doch man solle nicht vergessen, dass Balkone nicht das natürliche Habitat von Insekten sind. «Balkone sind für Pflanzen eine Extremsituation. Auf diesen stecken sie diese nämlich in einem engen Topf, der durch die Sonne heiss wird. Daher sollte man Pflanzen wählen, die diesen Bedingungen standhalten. Wenn die Tiere nicht kommen, ist das nicht schlimm. Sie gehen notfalls dorthin, wo die Pflanzen sowieso wachsen», sagt Vils.

(um)

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