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Die Stadt St.Gallen wurde im Frühling zum Ort des Geschehens für Krawalle. Vor allem Jugendliche waren daran beteiligt. (Symbolfoto: Pexels)
Crime
Region|14.05.2021

Kolumne: Krawall, Sachbeschädigung und Alkohol

Wir alle mussten seit Februar 2020 auf vieles verzichten. Die Covid-19-Pandemie hat uns alle schwer getroffen, einige gesundheitlich, andere wirtschaftlich und einige von uns sogar doppelt.
Die Stadt St.Gallen wurde im Frühling zum Ort des Geschehens für Krawalle. Vor allem Jugendliche waren daran beteiligt. (Symbolfoto: Pexels)
Wir alle mussten seit Februar 2020 auf vieles verzichten. Die Covid-19-Pandemie hat uns alle schwer getroffen, einige gesundheitlich, andere wirtschaftlich und einige von uns sogar doppelt.

Gerade die Jungen unter uns sehen sich besonders betroffen, sie ertränken ihren Unmut in Alkohol, sie rauchen Cannabis und lassen ihrem Frust auf eine destruktive Art freien Lauf. Woran liegt das? Wie sich ein Gefängnisinsasse fühlt, konnten bisher nur wenige nachvollziehen. Seit dem Ausbruch der Pandemie hingegen können es mehr denn je. Das «Eingesperrt-Sein» in einer Zelle oder in einer kleinen Wohnung, tage- oder wochenlang, beginnt an jedem von uns zu nagen. Der Fernseher mag uns noch die ersten Tage unterhalten, doch Erfüllung bietet er uns keine. Das Wichtigste in einer solchen Situation ist es, dass sich Menschen selbst entdecken und sie sich sinnvoll beschäftigen, nicht allein des Zeitvertreibes wegen, sondern allein der Zufriedenheit zuliebe. In Gefängnissen beginnen viele zu schreiben, zu lesen, zu malen, Sport zu treiben oder zu basteln. Sie finden Freude an den kleinen Dingen, für die sie sich vorher nie Zeit genommen hätten. Ich bin mir daher sicher, dass viele von uns, besonders während der Lockdown-Phase, etwas Neues für sich entdecken konnten, das sie auch nach der Normalisierung des Alltags beibehalten werden. Das Gute im Negativen erkennen, ist nicht immer einfach, doch stets sinnvoll. Im Gefängnis gibt es viele, denen das alles leider nicht gelingt, sie lernen sich selbst nicht besser kennen, sie lernen nicht sich kreativ und positiv zu beschäftigen. Sie versinken im Schlamm namens Depression und pushen sich selbst mit falschem Selbstmitleid täglich von Neuem auf, um anschliessend ihren Frust auf negative Weise zu dämpfen. Ob Glücksspiel, Drogen, Alkohol oder Pöbeleien bis hin zu Handgreiflichkeiten, das Ausmass ist gewaltig und die Konsequenz vorhersehbar: Es bessert sich nichts, die Probleme vermehren sich. Genauso wie dieser Art von Gefängnisinsassen ist es in den letzten Monaten vielen Jugendlichen ergangen. Auf Party verzichten, keine Freunde mehr treffen, keine Schule mehr, kein Billiard oder Bowling spielen, einfach alles wurde ihnen aus ihrer Sicht genommen. Nicht einmal den achtzehnten Geburtstag durfte man noch feiern, etwas, was eigentlich ein bleibendes Ereignis im Leben eines jeden von uns sein sollte. Viele Jugendliche verfielen der dunklen Seite. Man ärgerte sich gemeinsam über die Ungerechtigkeit, tauschte sich über Messenger und Chats darüber aus. Ein gegenseitiges Hochpushen des Frustpegels bis zum kompletten Ausbruch, der gerade in St. Gallen exemplarisch in schrecklichen Krawallen und grossen Polizeieinsätzen sowie mit grossem Sachschaden endete. Zuvor unbescholtene, friedvolle, junge Bürgerinnen und Bürger mutierten zu einer Krawall-Armee, die auch von kriminellen Handlungen keine Distanz mehr nahm. Verständnis kann man dafür keines aufbringen und doch will man an die Jugendlichen appellieren: Lasst euch nicht fallen. Die ersten Öffnungen sind da und die Normalisierung ist in Sichtweite. Das Negative zu erkennen, ist keine Kunst, doch das Positive aus den negativen Umständen zu filtern, es wie eine Frucht herauspressen und am Ende etwas Positives mitzunehmen, das ist die wahre Kunst im Leben.

(smc)

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