Philipp Meier und Ralph Bärtsch haben mit ihrem Melser «Meibär»-Bier den Swiss Beer Award gewonnen. Damit haben sie auch gelernte Bierbrauer in den Schatten gestellt. (Fotos: Michael Zanghellini)
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Region|18.06.2021

Whiskyzauberer und Bierbrauer aus Mels mit Herz

Was mit einem Bierbrau- Kurs als Geburtstagsgeschenk begann, ist heute ein Hobby-Zweimann-Betrieb in Mels. Ralph Bärtsch und Philipp Meier brauen das Melser Bier «Meibär» und haben in diesem Jahr auch ihren ersten eigenen Whisky verkauft.

Philipp Meier und Ralph Bärtsch haben mit ihrem Melser «Meibär»-Bier den Swiss Beer Award gewonnen. Damit haben sie auch gelernte Bierbrauer in den Schatten gestellt. (Fotos: Michael Zanghellini)

Was mit einem Bierbrau- Kurs als Geburtstagsgeschenk begann, ist heute ein Hobby-Zweimann-Betrieb in Mels. Ralph Bärtsch und Philipp Meier brauen das Melser Bier «Meibär» und haben in diesem Jahr auch ihren ersten eigenen Whisky verkauft.

VON URSINA MARTI Im Oberlihaus in Mels steht eine mittelgrosse Braumaschine, ein grosser Gärtank, eine Zapfmaschine und einige Harasse mit «Meibär»-Bierflaschen. Seit 2015 brauen die beiden Männer gemeinsam Bier und Whisky. Das mit dem Whisky sei anfangs nicht geplant gewesen, erzählt Meier: «Als wir uns intensiv mit dem Bierbrauen beschäftigt haben, merkten wir, dass Whisky auf fast die gleiche Art und Weise hergestellt wird. Der einzige markante Unterschied: In den Whisky kommt kein Hopfen hinein.» Der sogenannte Bierschnaps wird auswärts gebrannt. Dann füllen sie den Whisky in Fässer ab und lassen ihn drei Jahre im Keller «reifen». «Der Whisky muss mindestens so lange im Fass sein, ansonsten verdient er den Namen nicht», erklärt Bärtsch. Vor mehr als drei Jahren haben die beiden Brauer das Grundrezept für den ersten Melser Whisky kreiert. Danach wurde gemäss dem Grundrezept gebraut und anschliessend wurde die Maische zu Bierschnaps destilliert. Dieser Bierschnaps wurde dann in Sherry-Fässer abgefüllt und drei Jahre gelagert. Den so entstandenen Whisky konnten sie heuer als «Whisky 8887» unter die Leute bringen. Damit auch in Zukunft Whisky da ist, füllen sie die Fässer stetig nach. «Wir können die Leute ja nicht immer drei Jahre warten lassen», sagt Bärtsch. Zwar seien nicht alle Produkte aus Mels, doch sie würden da gebraut, gebrannt und auch gelagert. Zudem sind die Braumeister Bärtsch und Meier von dort. Darum heisse der Whisky ganz einfach «8887», wie die Postleitzahl der Gemeinde.

Jede einzelne Flasche wird von Hand abgefüllt.

Melser Bier – Kein Genuss im Überschuss

Bärtsch und Meier wollen nicht expandieren, sondern als Brauerei so klein bleiben, wie sie sind. «Wir arbeiten beide 100 Prozent als Lehrer, haben Familie und wollen die Freude am Brauen nicht verlieren. Darum soll es auch ein Hobby bleiben», erklärt Bärtsch. Für das Geld machen sie es nicht, sagt er: «Wir zahlen uns eigentlich sehr wenig aus. Würden wir mehr einkassieren, wäre das Konto leer. Wir sind schon lange gute Freunde. Wenn wir brauen oder Flaschen abfüllen, können wir gemeinsam Zeit verbringen und plaudern.» Brauen sei aufwendig. Pro Brauprozess können die beiden 350 Flaschen Bier abfüllen. Danach müssten die Flaschen nochmals für einige Zeit ruhen. Dies können sie im hauseigenen Natursteinkeller der Familie Meier. Genügend Platz und die ideale Temperatur sorgen für ein gutes Bier. Dort lagere auch der «8887» Whisky. So haben die Männer alles unter einem Dach und müssen auch keine Miete für extra Räume bezahlen. Zu Beginn haben sie alle Flaschen zurückgenommen und jede einzelne selber gewaschen, heute benutzen sie Einwegflaschen. Dies sei hygienischer. Auch die Arbeit sei unter den beiden gut aufgeteilt. Jeder wisse genau, was zu tun ist. Alle vier Wochen treffen sich die beiden für einen Tag, um Nachschub zu produzieren. Zudem arbeite jeder selbstständig – schliesslich müssen auch Bestellungen erledigt und Rechnungen geschrieben werden.

Philipp Meier ist meist für die richtige Mischung zuständig, damit am Schluss das feine Melser Beibär ent­steht.

Bier mit viel Heimat

Vier Biere stammen aus den Rezeptbüchern der beiden Melser. Angefangen habe alles mit dem «Meibär Original», einem naturtrüben Bier, das im Natursteinkeller reift. Dieses Bier habe hohe Wellen geschlagen. Die anderen drei Biere sind exotischer: Das «Meibär Tobelwind» hat seinen Namen vom Melser Tobel. Denn wenn es windet, werde es immer kühl. In diesem Bier stecke Orange und Koriander, was für ein frisches Bier mit Leichtigkeit sorge. Dieses Sommerbier sei erfrischend und gerade an heissen Tagen ideal. Das «Meibär Gafarrä Häx» hat seinen Namen von einer Sage, die sich im Weisstannental abspielt.

Ralph Bärtsch liebt die monotone Arbeit vom Abzapfen. Dabei können die Freunde über all die Dinge plaudern, die zwei Freunde eben so zu plaudern haben.

«Das ‹Meibär Gafarrä Häx› ist ein Pale Ale, ein sehr bitteres Bier. Das ist nicht jedermanns Sache», sagt Bärtsch. Und zu guter Letzt ist da noch das «Meibär Weisstannen». Wie der Name schon erahnen lässt, wird dieses Bier mit erlesenem Malzen, verschiedenen Aromahopfen und Tannenbaumzweigen aus dem Weisstannental gebraut. «Unser Ziel haben wir nun eigentlich erreicht: Wir haben jetzt vier verschiedene Biere. Das reicht uns – eigentlich», sagt Bärtsch. Denn einen offenen Wunsch hat er dennoch: Ein Weizenbier. «Am liebsten trinke ich Weizenbier. Wir sind aber so selbstkritisch, dass wir bis jetzt noch kein Weizenbier gebraut haben, das uns zu 100 Prozent überzeugt hat.» Dabei haben die beiden Männer bereits einen Beweis dafür erhalten, dass sie das Brauen im Griff haben: Sie konnten sich den Swiss Beer Award 2017/18 sichern. In der Kategorie Kellerbier/Zwickelbier setzten sie sich sogar gegen gelernte Braumeister durch.

Obwohl das Abzapfen eine monotone Arbeit sei, machen Philipp Meier und Ralph Bärtsch die Arbeit gerne.
(um)

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