Roman Hufschmid mit seinem Anwalt Jürg Krumm vor dem Bezirksgericht. (Foto: Sascha Michael Campi)
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Region|18.06.2021

Tote Fische im Gerichtssaal

Letzte Woche habe ich meinen Kollegen Roman Hufschmid vor Gericht begleitet. Der Schweizer Fischzüchter ist mit seinen Nerven am Ende, denn ein schreckliches Ereignis, das über sechs Jahre zurückliegt, beschäftigt bis heute nicht nur ihn, sondern auch die Schweizer Justiz.
Roman Hufschmid mit seinem Anwalt Jürg Krumm vor dem Bezirksgericht. (Foto: Sascha Michael Campi)
Letzte Woche habe ich meinen Kollegen Roman Hufschmid vor Gericht begleitet. Der Schweizer Fischzüchter ist mit seinen Nerven am Ende, denn ein schreckliches Ereignis, das über sechs Jahre zurückliegt, beschäftigt bis heute nicht nur ihn, sondern auch die Schweizer Justiz.

Die Opfer sind rund 13 000 Fische und ein passionierter Fischzüchter. Nie wird Roman Hufschmid den 17. August 2015 vergessen. Der Fischzüchter fand ins seiner Naturquelle im Schweizerischen Birmenstorf mehrere tote Fische. Schnell wurde klar: Es besteht ein Zusammenhang zu der sich oberhalb der Fischzucht durchführenden Autobahnbrücke, welche zu diesem Zeitpunkt saniert wurde. Durch Abwasser der Baustelle gelangten giftige Betonpartikel auf das Areal und die Gewässer der Fischzucht. Ein mit einer Folie bezogenes Gerüst sollte das Abwasser eigentlich zurückhalten, doch an einer Stelle versagte die Vorsichtsmassnahme, und das führte zum Desaster. Menschliches Versagen in Sachen Montage und Kontrolle. Die Fische hielten die Betonflocken für Futter, die Folge war ein klägliches Verenden. Kurz nach Hufschmids schrecklicher Entdeckung schaltete sich der Kanton und somit auch Fachleute ein, darunter auch der Kantons-Tierarzt. Die Fischzucht wurde im Verlauf der Untersuchung stillgelegt und die restlichen noch lebende Fische, insgesamt über fünf Tonnen, mussten mit Elektroschock getötet werden. «Es brach mir das Herz», reflektiert Hufschmid diesen Moment. Die Reinigung und die Wiederinstandsetzung der Fischzucht dauerten mehr als drei Jahre. Der Fischzüchter berappte dafür rund sechshunderttausend Franken aus dem eigenen Sack. Es mussten Bodenproben entnommen, rund 600 Tonnen Erde abgeführt und grosse Naturflächen, sowie eine grosse Fläche Tuffstein-Felswand, fachmännisch gereinigt werden. Parallel zu den Untersuchungen und späteren Wiederherstellungsarbeiten begannen auch die Räder der Justiz gemächlich zu malen.

Hier lebten die Forel­len und Saiblinge von R. Hufschmied. (Foto: ZVG)

Ein Generalunternehmer und vier Subunternehmen wurden unter die Lupe genommen. Gegen vier Baufirmen wurden die Verfahren eingestellt. Gegen den Generalunternehmer jedoch nicht. Nun standen nach sechs Jahren endlich drei Mitarbeiter dieser Schweizer Baufirma vor Gericht. Ihnen wurde unter anderem Sachbeschädigung, Verstoss gegen das Tierschutzgesetz und Verstoss gegen das Gewässerschutzgesetz vorgeworfen. Die Beschuldigten verweigerten die Aussage. Ihre Verteidiger versuchten die Schuld auf andere zur schieben, unter anderem Mitangeklagte oder gar externe Personen und Firmen. Roman Hufschmid sehnt sich nach einem Ende, denn erst wenn ein Schuldiger festgelegt wurde, ist auch klar, wessen Versicherung für den Schaden aufkommen muss. Hufschmid sitzt in Sachen Entschädigung seit Jahren auf dem Trockenen. Für Fische hätte dieser Umstand den Tod bedeutet, für ihn ist es eine psychische Belastung. Das Urteil blieb bis zur Eingabe meiner Kolumne noch offen.

(smc)

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