Markus Büchel ist seit vielen Jahren Teil vom KOJ Werdenberg, und schon mancher Werdenberger hat seinen Einsatz für Jung und Alt miterlebt. (Foto: Michael Zanghellini)
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Region|24.09.2021

Offene Jugendarbeit: Wichtiger Bestandteil der Stadt Buchs

Für viele Generationen, die im Raum Werdenberg die Schule besucht haben, ist Markus Büchel und sein Team vom KOJ Werdenberg bestimmt ein Begriff. Deren Auftrag der offenen Jugendarbeit und Schulsozialarbeit ist bis heute wichtig und wird es auch in Zukunft bleiben. Dennoch gibt es auch in der Stadt Buchs noch Potenzial. Vor allem für die Bevölkerung müsse noch etwas getan werden.

Markus Büchel ist seit vielen Jahren Teil vom KOJ Werdenberg, und schon mancher Werdenberger hat seinen Einsatz für Jung und Alt miterlebt. (Foto: Michael Zanghellini)

Für viele Generationen, die im Raum Werdenberg die Schule besucht haben, ist Markus Büchel und sein Team vom KOJ Werdenberg bestimmt ein Begriff. Deren Auftrag der offenen Jugendarbeit und Schulsozialarbeit ist bis heute wichtig und wird es auch in Zukunft bleiben. Dennoch gibt es auch in der Stadt Buchs noch Potenzial. Vor allem für die Bevölkerung müsse noch etwas getan werden.

Das Kompetenzzentrum Jugend, kurz KOJ Werdenberg, ist eine Abteilung der Sozialen Dienste Werdenberg und ist für die Gemeinden von Wartau bis Sennwald zuständig. Primäre Zielgruppe seien Oberstufenschüler. Das KOJ Werdenberg hat aber auch immer wieder Projekte für jüngere Werdenberger, wie beispielsweise die Kinderbaustelle beim neuen Jugendpark lanciert, wie Markus Büchel erklärt: «Die Kinderbaustelle gab es schon in den Jahren 2016 und 2017. Als ich sah, dass die Schrebergärten in der Nähe vom KOJ-Gebäude abgebrochen werden, haben wir die Chance genutzt und bei der SBB bezüglich des Platzes angefragt.» Die Aktion sei relativ spontan entstanden, doch sie habe gefruchtet: Wöchentlich kommen viele Kinder zur Baustelle und werkeln voller Elan. Doch Ende Oktober ist Schluss, denn die SBB baut dort weitere Parkplätze. «Der zuständige Stadtrat empfand die Kinderbaustelle aber für gut und wichtig und hat sie für die Zukunft budgetiert. Ich bin überzeugt, dass wir ein neues Areal finden», sagt Büchel. Dennoch sei dies nicht die Aufgabe des KOJ Werdenberg, sagt Büchel: «Wir haben schon mit den beiden vorherigen Kinderbaustellen der Stadt aufgezeigt, dass die offene Arbeit mit Kindern Bedarf hat.» Dafür wäre es schön, wenn die Stadt Ressourcen sprechen, Personal stellen und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen würde. «Die Stadt sieht die Notwendigkeit zu wenig. Sie finden, dass in diesem Alter die Familien zuständig sind und es genügend Vereine gibt. Ausserdem hätten wir den Wald und den Rhein. Aber die Realität ist heute einfach eine andere. Im Gegensatz zu früher hat sich einiges verändert », sagt Büchel.

Eine Altersgruppe wird kaum bedient

Trotz vieler Angebote komme eine Zielgruppe immer wieder zu kurz: die 15- bis 17-Jährigen. Oftmals fühlten sie sich für viele Veranstaltungen zu alt, sind aber nicht volljährig und dürfen somit noch nicht in die Clubs. Dieses Problem erkennt auch Büchel: «Ich bin im Stiftungsrat für offene Jugendarbeit in Liechtenstein. Gemeinsam mit dem KOJ Werdenberg haben wir entschieden, einen Ort für genau diese Jugendlichen zu schaffen.» Die Idee: ein Jugendkulturzentrum. Das Geld sei da, aktuell werde nur nach passenden Räumlichkeiten gesucht. «Wir suchen in Liechtenstein, weil das Land mehr Geld für das Projekt zur Verfügung stellt.» Im Jugendzentrum werde es Alkoholausschank nach Jugendschutzrichtlinien geben. Es gebe eine Altersobergrenze, denn die Älteren können laut Büchel die bereits bestehenden Angebote nutzen. Das Thema sei ein Dauerbrenner und müsse endlich angegangen werden: «Uns ist bewusst, dass es ein schwieriges Thema ist und es mit vielen Emissionen verbunden ist. Es erzeugt Lärm, eine Sauerei und auch Konflikte, aber der Auftrag der offenen Jugendarbeit lautet klar, dieser Altersgruppe etwas zu bieten.» So werde es Konzerte oder auch eine Jugendbeiz geben. Zudem hätten die Jugendlichen die Möglichkeit, mitzugestalten.

Ein weiteres Manko sieht das KOJ Werdenberg in der fehlenden Infrastruktur für Freestyle-Sportarten wie Scooter und Skateboard. «Im Raum Werdenberg gibt es keinen einzigen Skatepark. Alle Jugendlichen gehen nach Liechtenstein, weil es dort solche Parks gibt. Hier bei uns bringt man das einfach nicht hin», sagt Büchel. Einige Werdenberger Gemeinden sehen dies nicht als ihren Auftrag, wie Büchel weiter erklärt: «Dies sollen Private oder Vereine machen. Somit versuchen wir mit dem mobilen Skatepark eine andere Herangehensweise, mit dem Hauptziel, den Gemeinden und der Stadt aufzuzeigen, dass das Bedürfnis gross ist.» Jugendliche haben gelernt zu schweissen oder auch Holz zu bearbeiten. Sie haben den mobile Skatepark gebaut, der nun von Gemeinde zu Gemeinde wandert und dort jeweils ein bis zwei Monate steht. Ende Oktober wird er bis im Frühling eingelagert.

Ob Jung oder Alt, das Miteinander zählt

Der eine oder andere kann sich noch an das Goja Grabs oder das Royal in Azmoos erinnern. Diese Treffs sind bis heute von Sennwald bis ins Wartau bei Jugendlichen beliebt. «Jugendtreffs braucht es unbedingt. Wir haben auch viele Projekte ausserhalb der Treffs. Mit vielen verschiedenen Angeboten versuchen wir, jedem etwas zu bieten », sagt Büchel. In den letzten 40 Jahren haben sich die Instrumente der Offenen Jugendarbeit kaum verändert: Projekte und Jugendtreffs bleiben zentrale Elemente. Nur sei es heute wichtig, dass es W-LAN gibt. Dies zeigen laut Büchel auch die Zahlen: 20 Prozent der Jugendlichen sind aktiv dabei, 60 Prozent kommen sporadisch. Dies zeige, dass viele Jugendliche gerne kommen. Wie bei den ganz Jungen fehle es auch bei den älteren Generationen an Angeboten. Dies, obwohl die Pro Senectute aktiv ist. Das Hauptproblem sei vor allem auch das «Mittelalter», zu dem sich auch Büchel zählt. Natürlich gibt es auch da die kommerziellen Vereine oder das Fabriggli, doch dies reiche nicht. «Wir versuchen nun auch mehr mit dem Generationenspielplatz anzubieten. So haben wir anfangs September ein weiteres ‹Gspröchsbänkli› beim Altersheim Buchs eingeweiht. Dieses soll die Menschen zum Reden und Zuhören einladen», erklärt Büchel. Mit dem «Gspröchsbänkli» gehe die Betriebsgruppe Generationenspielplatz Kappeli, in der Markus Büchel Mitglied ist, einen Schritt weiter. Es sei wichtig, dass auch für diese Altersklasse Ideen umgesetzt werden. «Ich finde, im ganzen Bereich für Soziales und Kulturelles wird von der Stadt Buchs zu wenig getan. Sie unternimmt viel für das Standort- und Wirtschaftsmarketing, aber das Gemeinschaftswesen überlässt man den Privaten und Vereinen», sagt Büchel. Für ihn ist klar, dass es in der Stadt Buchs noch viel unausgeschöpftes Potenzial gibt.

(um)

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