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Region|24.09.2021

Gut: «Wenn die Menschen etwas verändern wollen, müssen sie sich auch dafür einsetzen»

Seit 2015 gilt Buchs als Stadt. Über die Jahre hinweg hat sich nicht nur ihre Einwohnerzahl, sondern auch das Stadtbild stark geändert. «fritig» hat mit dem Stadtpräsidenten Daniel Gut über aktuelle Themen und Projekte gesprochen.

Seit 2015 gilt Buchs als Stadt. Über die Jahre hinweg hat sich nicht nur ihre Einwohnerzahl, sondern auch das Stadtbild stark geändert. «fritig» hat mit dem Stadtpräsidenten Daniel Gut über aktuelle Themen und Projekte gesprochen.

Herr Gut, was macht Buchs für Sie aus?

Daniel Gut:
Für mich macht Buchs aus, dass wir in einer wunderschönen ländlichen Region leben, in der Buchs einen städtischen Kontrapunkt setzen kann. Ein Zentrum, das schon städtisch ist, dass wir aber noch weiterentwickeln wollen. Das ist für mich Buchs.

Ein aktuelles Thema ist der geplante Chez Fritz Tower. Nicht alle sind davon begeistert. Was spricht für diesen?

Wenn wir uns heute den Standort ansehen, ist er kein Juwel, aber u. a. aufgrund der Nähe zum Bahnhof geradezu prädestiniert für einen solchen Bau. Dem Aspekt der inneren Verdichtung wird an diesem Standort bestmöglich Rechnung getragen. Er ist bereits seit 1995 für ein hohes Haus vorgesehen. Chez Fritz soll ein Bestandteil des städtischen Erscheinungsbilds werden. Und was die Höhe betrifft: Der Siloturm im Norden des Bahnhofs ist genauso hoch – und die reformierte Kirche bleibt höher.

Warum 64 Meter, und nicht etwa 20 Meter? Das hohe Gebäude wird einen Schatten aufs Zentrum werfen und damit wohl vielen Bürgern die Sicht versperren. Sind das keine Argumente?

Die Bevölkerung hat über das Thema abgestimmt. Wenn eine Mehrheit davon nicht überzeugt gewesen wäre, hätte sich das auch am Abstimmungsresultat gezeigt. Es wurde aber Ja gesagt zur Teilzonenplanänderung für das Hochhaus. Diese demokratische Entscheidung hat den Stadtrat bestätigt, dass er auf dem richtigen Weg ist. Die Thematik Schattenwurf und weiteren Punkte werden im hängigen Rekursverfahren vom Kanton geprüft.

Auch die fehlende Parkgarage beim neuen Busbahnhof ist ein Punkt, der einige Bürger wurmt. Warum wurde keine gebaut?

Das war dannzumal vor allem eine Kostenfrage. Es wurde geprüft, aber Parkplätze unter dem Bushof halb im Grundwasser zu bauen, kostet einfach sehr viel. Da mussten wir im Stadtrat die Vor- und Nachteile abwägen. Zudem gibt es die Möglichkeit, in der nahen Rondelle ein Parkhaus zu bauen. Die unterirdische Parkierung unter dem Bushof wurde aufgrund dieser Abwägungen verworfen. Ich weiss aber, dass es heute noch Leute gibt, die sich das gewünscht hätten. Buchs wird auch in Zukunft wachsen.

Wo Menschen wohnen, braucht es auch Parkmöglichkeiten. Schafft das keinen zusätzlichen Bedarf?

Wie bereits erwähnt, ist in der Rondelle ein Parkhaus möglich. Dieses befände sich an einem zentralen Ort und ist damit nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Ausserdem wird auch die SBB ihren P+ Rail Parkplatz vergrössern. Im Zentrum gibt es zudem einige unterirdische Parkierungen, die sehr schlecht ausgelastet sind. Wie sich das Mobilitätsverhalten der Menschen in Zukunft entwickelt, ist noch im Fluss. Darum kann die Frage nach mehr Parkplatzbedarf nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden.

Die Stadt Buchs ist ein wichtiger Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs. Dennoch gibt es Knacknüsse. Bus und Bahn gehören lange nicht mehr zusammen. Wer beispielsweise den Zug verpasst, muss auf den Bus wechseln. Das Zugticket gilt dann jedoch nicht mehr für den Bus. Inwiefern haben hier die Gemeinden mitzureden?

Die ganze Region ärgert sich seit Jahren über diese Ticketsituation. Es gibt eine Fachgruppe Verkehr der Region Sarganserland-Werdenberg, der es schon lange ein Anliegen ist, dass diese Tarifprobleme gelöst werden. Die Harmonisierung der Tarife zwischen Schiene und Bus ist ein grosses Thema. Nur können wir als Region leider auch nicht viel mehr tun, als bei der SBB zu intervenieren. Wir haben das schon mehrmals über das kantonale Amt gemacht. Auch beim grenzüberschreitenden Verkehr sind die Tarife schwierig. Auch da wird nach Lösungen gesucht. Es ist eine wirklich zähe Sache.

Nächstes Jahr startet der Bau des Campus Buchs. Was kann man sich darunter vorstellen?

Der Campus Buchs ist ein Bildungsquartier. Die Idee, die Fachhochschule, Berufsschule und International School gemeinsam sichtbar zu machen, gibt es bereits seit 2010. Gemeinsam mit den Sportanlagen, dem geplanten Restaurant und Wohnmöglichkeiten sollte ein attraktiver Ort für Schüler und Studenten entstehen. Die Idee der Stadt Buchs ist dann aber wieder versandet. Einerseits, weil die Fachhochschule (NTB) eigene grosse Bauprojekte hatte und Bestandteil der Ostschweizer Fachhochschule (OST) wurde, andererseits, weil das Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs (BZB) ebenfalls verschiedene Bauvorhaben realisierte.

«Gemeinsam mit den Sportanlagen, dem geplanten Restaurant und Wohnmöglichkeiten sollte ein attraktiver Ort für Schüler und Studenten entstehen.»

Daniel Gut, Stadtpräsident Buchs

Jetzt wollte die Studienstiftung NTB dem NTB zum Abschied ein Campusmotel «überreichen». Dies soll Wohnmöglichkeiten für Studierende und Kurzzeitappartements für Dozierende schaffen. Aufgrund dessen lebt das Campusprojekt neu auf. Jetzt geht es vorwärts. Zwischen dem NTB und dem BZB entsteht mit dem Neubau mit grossem Platz das Herzstück. Der Durchgang zwischen den beiden Schulen soll künftig Velofahrern und Fussgängern vorbehalten bleiben. Der grosse zentrale Platz soll die Schulen miteinander verbinden. Auch die International School rückt näher – sie bezieht einen neuen Standort auf der Wiese nördlich des Schulhauses Hanfland. Der Campus Buchs ist aber auch für die Bevölkerung zugänglich und bietet mit dem Restaurant im Campusmotel hoffentlich für alle eine Möglichkeit mehr, gut Essen und Trinken zu gehen und kleine Anlässe durchzuführen.

Wie vielen Studenten und Schülern bietet der Campus Buchs Platz?

Mehr als 120 Schüler besuchen die International School, 300 Studierende sind an der OST und 5000 am BZB. Ziel ist natürlich auch, wieder mehr Studierende zu gewinnen. Dazu soll das attraktivere Lebensumfeld im Campus beitragen.

Buchs von oben: Hier ent­steht ab 2022 der Campus Buchs für Schüler und Studenten.

Welche weiteren Grossprojekte sind in der Stadt Buchs in näherer Zukunft geplant?

Ein aktuelles Thema, das sich im Planungsstadium befindet, ist das Wohnquartiers Rhein City, nördlich des Bushofs. Basierend auf dem gültigen Sondernutzungsplan wird jetzt konkret geplant. In der ersten Etappe sollen zirka 200 Eigentums- und Mietwohnungen entstehen. Auch wichtig für die Zukunft von Buchs ist, einer innovativen Hightech Industrie in der Fegeren, als Bestandteil des Campus Buchs, gute Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Ein erstes neues Gebäude für die Firma Brusa steht bereits und wird nächstens bezogen. Nun gehen die Überlegungen Richtung zweite Etappe mit weiteren Gebäuden.

Bleibt in Buchs noch eine grüne Fläche übrig, wenn so viel gebaut wird?

Im Rahmen der aktuellen Ortsplanung sind wir mitten in der Erarbeitung eines Freiraum- und Langsamverkehrskonzepts. Das Freiraumkonzept soll einen Kontrapunkt zur baulichen Verdichtung im Siedlungsgebiet setzen. Dies können einerseits attraktivere Strassen und Plätze sein, die fussgänger- und velofreundlicher gestaltet werden. Zusätzlich soll es aber auch ganz gezielt weitere Grünflächen geben, auf denen zum Beispiel Spielplätze Platz finden. Das Freiraumkonzept wurde dem «Sounding Board Ortsplanung» vorgestellt. Das ist eine Gruppe von ungefähr 40 Buchserinnen und Buchsern. Wir sind gemeinsam mit dem Velo einige Orte mit Potenzial in Buchs abgefahren und haben diese gemeinsam diskutiert. Die Leute hatten anschliessend die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen und auf Plänen einzuzeichnen. Das fand sehr viel Zuspruch. Es gibt Ideen, die visionär und eine langfristige Perspektive im Blick haben, aber auch solche, die bald umsetzbar sind.

Können Sie mir eine dieser Ideen nennen?

Sicher: Eine langfristige Idee betrifft die Umgestaltung des Alvierparkplatzes. Dieser könnte besser gestaltet werden mit mehr Platz für Menschen. Damit würde das Zentrum von Buchs für die Menschen noch attraktiver. Dafür braucht es aber zuerst einen vollwertigen Ersatz der Parkmöglichkeiten. Momentan ist das darum noch eine Vision, die aber beim «Sounding Board» viel Zuspruch gefunden hat.

Das Gebäude, in dem sich unter anderem der Krempel befindet, soll für Alterswohnungen weichen. Was ist der aktuelle Stand bei diesem Projekt?

Hierfür wird aktuell ein neuer Teilzonenplan erarbeitet. Dieser zeigt auf, wo die Stadt Alterswohnungen mit Dienstleistungen bauen will und wo privater Wohnraum entstehen soll. Zudem gehört dazu ein grosszügiger Grünraum, der auch öffentlich zugänglich sein soll. Momentan läuft zum Teilzonenplan das öffentliche Mitwirkungsverfahren.

Hat der Krempel schon etwas gefunden?

Wir stehen im Dialog mit dem Krempel. Offenbar gäbe es allenfalls geeignete Räumlichkeiten. Ich denke es braucht hier noch etwas Zeit, bis eine Anschlusslösung, die wir uns alle wünschen, spruchreif ist.

Auch ein Punkt, der vor allem Räfiser beschäftigt ist, wann der Stadtteil Räfis-Burgerau an die Fernheizung angeschlossen wird. Grabs und Schaan profitieren bereits davon, aber noch nicht alle Buchser. Warum?

Das wäre in der Tat eine gute Sache. In regelmässigen Abstand bringen wir den Wunsch beim Verein für Abfallentsorgung (VfA) ein, dass sie den Perimeter vergrössern sollen. Die Stadt Buchs möchte die Erweiterung des Fernwärmenetzes auf jeden Fall. Dies steht auch so in unserem Energiekonzept 2035. Wann und ob aber Räfis ans Fernwärmenetz angeschlossen wird, kann ich aber nicht beantworten. Das liegt in der Kompetenz des VfA. Vielleicht müssten sich interessierte Räfiser dazu selbst beim VfA melden um aufzuzeigen, wie viele sich wirklich einen Fernwärmeanschluss wünschen.

«Wir wissen im Stadtrat auch nicht ohne Weiteres, was diese Altersgruppe will.»

Daniel Gut, Stadtpräsident Buchs

In Buchs gibt es viele Freizeitangebote. Doch eine Altersgruppe geht meistens vergessen: die 15- bis 17-Jährigen. Sie sind für vieles zu gross und noch nicht volljährig, sie dürfen nicht überall hinein. Sehen sie dieses Problem auch? Was kann die Stadt dagegen tun?

Wenn diese Altersgruppe das wirklich sagt, dann wird es wohl auch stimmen. Aber in diesem Fall müsste jemand die Initiative ergreifen und etwas dagegen tun. Wir wissen im Stadtrat auch nicht ohne Weiteres, was diese Altersgruppe will. Es gibt aber schon seit langem YOU SPEAK, den Jugendrat Buchs, der sich immer wieder bemerkbar macht bzw. schon einiges erreicht hat und schon konkrete Projekte umsetzen konnte – so zum Beispiel den Jugendpark unter der Brücke. Grundsätzlich gilt: Wer etwas will, muss auch etwas dafür tun. Möglichkeiten, sich zu äussern, gibt es. Nicht nur via Jugendrat. Erwähnt sei etwa auch die Jugendkommission. Wenn die Jugendlichen aktiv sind, sich einbringen und Dinge entwickeln, prüfen wir im Stadtrat die Anliegen gern.

Das heisst, die Stadt hätte durchaus ein offenes Ohr für Jugendliche?

Ja. Wenn konkrete Ideen da sind, dann auf jeden Fall.

Manche Buchser meinen, dass es zu wenig Angebote für Kinder sowie Senioren gibt. Wäre eine Kinder- und Seniorenarbeit eine Lösung?

Meiner Meinung nach sind wir im Bereich Jugend und Alter gut unterwegs. Wir haben die Offene Jugendarbeit beim KOJ, die immer wieder tolle Projekte injiziert. Wir haben auch zwei Jugendräume. Wenn man den Jahresbericht der offenen Jugendarbeit Buchs anschaut, so gibt es echt viele Aktivitäten. Wenn mehr oder anderes gewünscht wird, so kann das wie gesagt über die vorhandenen Kanäle problemlos eingebracht werden. Wir haben Institutionen, die sich aktiv um die Anliegen kümmern. Nochmals: Wenn die Menschen eine Veränderung wollen, müssen sie sich auch engagiert dafür einsetzen. Ein schönes Beispiel ist für mich der Familientreff: Vor einigen Jahren haben einige Frauen mit mir darüber diskutiert, ob es einen solchen Treff für Familien brauche. Das fand auch ich eine gute Idee und ich habe sie gebeten, dazu ein Konzept zu erstellen. Dieses Konzept überzeugte. Und heute gibt es dank der Initiative dieser Frauen den Familientreff Buchs. Und: Auch für unsere Senioren wird viel getan. Es gibt eine breit gefächerte Angebotspalette auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Für den Stadtrat bildet das Altersleitbild eine Grundlage, verschiedenen Anliegen im Alter, zum Beispiel Information, Gesundheit, Wohnen, mit geeigneten Massnahmen Rechnung zu tragen.

Buchs ist ein starker Wirtschaftsstandort. Im kulturellen und sozialen Bereich, fehle es aber an Vielem. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Potenzial gibt es immer – auch in Buchs. Auch ich bin offen für Neues. Wir haben bereits sehr gute Angebote. Der Stadtrat hätte beispielsweise in der Vergangenheit gerne ergänzend ein Kongresshotel realisiert. Leider hat es damit nicht beim ersten Anlauf geklappt. In der Stadt Buchs ist die Aula Flös der schönste Raum für Veranstaltungen. Aber für grössere Anlässe muss man auf Turnhallen wie das BZB ausweichen. Ein Kulturzentrum wäre sicher eine schöne Vision.

Buchs ist eine Mischung aus Stadt und Land. Wo zieht es Sie hin, wenn Sie einmal eine Auszeit brauchen?

Mir gefällt es, ohne Ziel durch die Buchser Bahnhofstrasse zu schlendern. Das Flanieren ist für mich eine Qualität. Gerne fahre ich aber auch mit dem Fahrrad mal den Studnerberg in Grabs hoch. Damit mache ich etwas für die Gesundheit und kann aber auch die wunderbare Aussicht auf die Region und auf Buchs geniessen.

(um)

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