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Hans Dutler sammelte über Jahre Seveler Mundart-Wörter, die er im Buch «Seveler Brögga» niedergeschrieben und übersetzt hat. (Foto: ZVG)
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Region|17.12.2021

Dutler: «Unsere Sprache hat mich schon immer fasziniert»

Hans Dutler wurde am 29. April 1928 in Sevelen geboren und wuchs dort mit seinen 13 Geschwistern auf. Damals war der Seveler Dialekt noch «rein». Dies habe sich inzwischen verändert.

Hans Dutler sammelte über Jahre Seveler Mundart-Wörter, die er im Buch «Seveler Brögga» niedergeschrieben und übersetzt hat. (Foto: ZVG)

Hans Dutler wurde am 29. April 1928 in Sevelen geboren und wuchs dort mit seinen 13 Geschwistern auf. Damals war der Seveler Dialekt noch «rein». Dies habe sich inzwischen verändert.

Es handle sich nunmehr um ein «Gemisch», da in den Jahren viele Zugezogene die Sprache der Gemeinde prägten. Dass der Seveler Wortschatz nicht verloren geht und die Ausdrücke nicht vergessen gehen, hat Dutler über Jahre die Wörter seiner Heimatmundart gesammelt. Ein entsprechendes Wörterbuch von Mathias Seifert gebe es bereits, doch Dutler wollte noch mehr sammeln: «Ich besass sein Buch und dachte mir aber, dass man das noch ausführlicher machen könnte. So habe ich selber begonnen, Seveler Ausdrücke zu sammeln. » Das Sammeln dauerte mehrere Jahre, doch Dutler hatte Zeit dafür: «Ich bin nicht der Typ Mensch, der abends in der ‹Beiz› sitzt. Ich interessierte mich schon als Schulkind für Literatur. Und als ich all diese Ausdrücke gesammelt hatte, dachte ich mir, dass ich diese auch gleich veröffentlichen könnte.» So kam Dutler in Kontakt mit der damaligen Gemeinderätin Annemarie Engler Jakober. Sie unterstützte ihn bei seinem Vorhaben. 2013 veröffentlichte Dutler sein Buch «Asoa reeden d’Pelzchappni» schliesslich. Dutler habe bemerkt, dass sich die Sprache in seiner Heimat enorm verändert hat. Das liege auch daran, das andere Dialekte dazukamen, die für eine Mischung sorgen. «Selbst mein Bruder Ernst, der immer noch in Sevelen lebt, spricht anders als die Seveler. Er sagt nicht ‹Älfi› sondern ‹Elfi›. Wir Seveler sagten auch immer ‹Azmes›, heute sprechen die meisten von ‹Azmoos›. Da könnte ich noch einiges mehr aufzählen », erzählt Dutler.

Der Alltag im Wallis mit Seveler Dialekt

Wer mit Dutler spricht, könnte meinen, mit einem waschechten Seveler zu sprechen, doch lebt er seit vielen Jahren nicht mehr in seiner Heimat. «Ich bin zwar in Sevelen geboren und aufgewachsen, aber schon nach der Konfirmation ging ich für zwei Jahre nach Genf und arbeitete anschliessend 47 Jahre bei der Post in Bern. Seit 1993 bin ich pensioniert und lebe seit 1997 in Granges im Wallis», erzählt Dutler. Der 93-Jährige hat sich voll und ganz seiner Mundart verschrieben. Selbst nach der Veröffentlichung seines Buchs sammelt er noch immer Begriffe und Redewendungen. Er schreibt sie nieder, damit sie nicht verloren gehen. «‹Ei Schitt allai brennt nid, wenn zwei Chrach hen›, bedeutet zum Beispiel, dass es immer zwei Personen für einen Streit braucht. Meine Mutter sagte auch immer, wenn jemand ein unschönes Wort benutzte, ‹Er tuat dummi Gschwätzer›», erzählt Dutler. Dies sei nur ein Auszug aus einer endlosen Liste.

Seveler Mundart nach bestem Wissen übersetzt

Natürlich konnte Dutler all die gesammelten Ausdrücke nicht etwa im Internet nachschlagen und übersetzten. Dies tat er nach seinem besten Wissen. «Im Prinzip kannte ich alle Ausdrücke. Es konnte aber sein, dass ich mal auf einen Ausdruck stiess, den ich nicht kannte, mir aber bekannt vorkam», erzählt Dutler. Früher sei es auch Gang und Gäbe gewesen, dass Menschen Übernamen bekamen. So könne sich Dutler noch gut an eine Frau erinnern: «‹Salzhuus›». So habe man seine Ururgrosstante genannt. Sie war im Prättigau verheiratet, kam aber regelmässig mit einem Kinderwagen nach Sevelen und füllte das Gefährt mit Salz. Ich glaube das machte sie, weil bei uns das Salz günstiger war. Dadurch bekam sie ihren Übernamen.»

Die urchigen Dörfernamen

Auch viele Rheintaler und Liechtensteiner Gemeinden besitzen einen Übernamen. Die Seveler seien beispielsweise als «Pelzchappni » bekannt. Ganz sicher ist sich Dutler nicht, wie die Seveler zu diesem Namen kamen, eine Vermutung hat er aber: «Soviel ich weiss, waren die Seveler früher bitterarm. Mir wurde gesagt, das alte Kirchturmdach, also vor dem Neubau 1923, habe ausgesehen wie eine Pelzmütze, worauf man die Seveler neckisch so genannt habe.» Viele, vor allem alte Seveler, haben sich bei Dutler für seine Arbeit bedankt. Das freue ihn sehr. Er habe somit einen wichtigen Schatz aus Sevelen für die Zukunft bewahrt. Dass es aber die Jugend von heute interessiert, glaube er weniger: «Heute sind sie an Musik, Handys und an anderen Dingen interessiert. Doch wer wirklich mehr über die Ausdrücke von Sevelen wissen möchte, kann dies im Buch ‹Asoa reeden d’Pelzchappni› nachlesen. »

(um)

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